Unwiderstehlich: Warum VW sich MAN einverleiben möchte

- München - Bei Zukäufen ist Bernd Pischetsrieder ein gebranntes Kind. Rover hat ihn schon einmal den Job als BMW-Chef gekostet. Dennoch plant er von Wolfsburg aus wieder Großes: Nach einem Mega-Deal mit MAN und Scania könnte Volkswagen in die Reihe der ganz großen Nutzfahrzeughersteller aufsteigen. Doch Experten sehen Risiken.

<P>Der grundlegende Gedanke ist einfach: Seitdem dem Käfer-Fahrwerk 1953 ein Kasten übergestülpt wurde (später nannte man das "Bulli"), ist VW auch Hersteller von Nutzfahrzeugen - mit beschränktem Angebot: Bei 4,6 Tonnen plus 2 Tonnen Anhängerlast ist Schluss.</P><P>Die meisten Unternehmen fordern mehr. Da viele dazu neigen, den Fuhrpark mit einer Marke zu bestücken, verliert VW potenzielle Kunden etwa an Mercedes-Benz, glauben Konzernstrategen. Bereits Ferdinand Piëch sicherte sich 2000 ein gutes Drittel an Scania. Der Rest könnte von Mehrheitseigner Volvo kommen, der wegen des Kartellrechts verkaufen muss. Scania allein ist zu klein, um im Konzert der ganz Großen mitzuspielen. Hier kommt MAN ins Spiel, ein Konzern, der seinen Aktionären wenig Freude macht. Der wichtigste hält 27 % und heißt Regina. Dahinter stecken Allianz (50 %) Münchener Rück und die Commerzbank (je 25 %). Alle drei brauchen Geld. So könnte Pischetsrieder Regina derzeit preisgünstig übernehmen.</P><P>Doch wäre es damit nicht getan. Denn mit Druckmaschinen und Schiffsdieseln hat VW wenig am Hut. Um das Nutzfahrzeuggeschäft, das knapp die Hälfte des MAN-Umsatzes ausmacht, zu haben, müsste der Konzern es herauskaufen. Der Rest würde auf sich allein gestellt den Dax-Platz verlieren. Um das durchzusetzen, braucht VW zusätzliche MAN-Aktien - und wäre in der Pflicht möglicherweise dem Rest ein Abfindungsangebot unterbreiten. Dazu aber bräuchte man einen Finanzinvestor als Partner.</P><P>Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Nutzfahrzeugsparte könnte man Zukäufe im Bereich Druck und Maschinenbau finanzieren. Aus dem Gemischtwarenladen MAN könnte man zwei bis drei schlagkräftige Einheiten schmieden. VW könnte den Nutzfahrzeugbereich führen - unter dem Konzerndach oder als rechtlich eigenständige Einheit.</P><P>Soweit die Strategie. Experten sehen Probleme. Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen erkennt in dem möglichen Engagement "keine sinnvolle Ergänzung der VW-Produktpalette: Die Synergien sind so klein, als würde VW anstatt MAN einen Flugzeugbauer kaufen." Andere Konzerne, etwa PSA (Frankreich), hätten bereits bewiesen, "dass auch ausschließlich mit leichten Transportern gute Ergebnisse erzielt werden können".</P><P>Auch Albrecht Denninghoff, Nutzfahrzeugexperte der HVB, sieht langfristig Chancen. Kurzfristig aber "überwiegen für VW die Risiken". Immerhin hat sich MAN mit Neoplan und ERF Großbritannien eine Reihe Probleme in den Konzern geholt. Dennoch hält Denninghoff es für wahrscheinlich, dass die Sache zügig zustande kommt. Derzeit sei MAN für VW "noch billig zu haben - nach einer konjunkturellen Erholung nicht mehr".</P><P>Gestern legte die MAN-Aktie um rund 5 % zu. Auch mit VW versöhnten sich die Investoren. Nach einem Ausflug in die Verlustzone stieg das Papier um 2 %.</P><P> </P>

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