Urabstimmung bei AEG verzögert sich

- Nürnberg - Die Urabstimmung über den Sozialtarifvertrag für das AEG-Werk Nürnberg wird entgegen den Planungen voraussichtlich noch nicht an diesem Donnerstag beginnen. In Einzelfragen des Vertragswerks gebe es noch Unstimmigkeiten, sagte IG Metall-Sprecher Rolf Famulla am Mittwoch. Die AEG-Tarifkommission werde am Donnerstag daher zunächst ihre Beratungen fortsetzen. Dadurch könnte sich auch die für Montag vorgesehene Wiederaufnahme der Arbeit in dem seit knapp sechs Wochen bestreikten Werk verzögern.

Am Mittwoch tagte zunächst die Tarifkommission für die ServiceGesellschaften Logistik, Ersatzteile, Kundendienst und Vertrieb. Dabei geht es um einen Haustarifvertrag in Anlehnung an den Metalltarif. Da bei der Logistiksparte seit dem 27. Januar ebenfalls gestreikt wird, ist auch hier eine Urabstimmung erforderlich, um den Arbeitskampf zu beenden. Sie könnte nach Angaben des Sprechers am Freitag stattfinden, falls bis dahin Einigkeit in den noch strittigen Fragen erzielt worden sei.

Wann die Urabstimmung für das Werk stattfinden soll, will die Tarifkommission am Donnerstag entscheiden. Für die Abstimmung werden zwei Tage benötigt. Es ist daher möglich, dass sie erst am Montag und Dienstag über die Bühne geht. Dabei müssen mindestens 25 Prozent der in der IG Metall organisierten AEG-Beschäftigten dem Sozialtarifvertrag zustimmen, den die Gewerkschaft mit dem Electrolux-Konzern ausgehandelt hat.

Electrolux wird das AEG-Werk mit 1700 Beschäftigten bis Ende 2007 schließen und die Fertigung nach Polen und Italien verlagern. Der Sozialtarifvertrag sieht Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Vorruhestandsregelungen im Gesamtvolumen von 150 Millionen Euro vor. Die Stimmung in der Belegschaft sei "nicht rosig", sagte Famulla. "Vielen wird jetzt erst bewusst, dass Hartz IV wartet."

Der frühere bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, der in dem Konflikt vermittelt hatte, hat die Einigung im AEG-Konflikt unterdessen als gute Lösung für die Beschäftigten bezeichnet. "Beide Seiten haben sich bewegt und sind an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gegangen", sagte der jetzige Bahn-Vorstand in einem dpa-Gespräch. Er hoffe bei der Urabstimmung auf eine große Mehrheit für ein Ende der Streiks. "Die Gewerkschaft will dafür eintreten, dass die Einigung akzeptiert wird bei den Beschäftigten."

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