Urlaub? Nein Danke - Wie sich das Reise-Verhalten gewandelt hat

- München - Auf Urlaub können die Deutschen verzichten. Terroranschläge, anhaltende Konjunkturflaute, aber auch Fehler in der Preispolitik der Reise-Unternehmen haben das Urlaubsverhalten der Deutschen verändert. Und das wird langfristig so bleiben, glaubt Karl Born, Tourismus-Wissenschaftler an der Hochschule Harz: "Der Mythos ,Urlaub ist unverzichtbar ist verloren gegangen".

<P>"Bis 2001 galt Urlaub als unverzichtbares Gut, sowohl in guten als auch schlechten Konjunkturzeiten", sagt Born, der früher Chef des größten europäischen Reiseveranstalters, der Tui Deutschland, war. "Das überragende Motiv war die Flucht aus dem Alltag. In den vergangenen beiden Jahren haben aber viele Menschen auf Urlaub verzichtet, infolge der Terroranschläge oder aus Geldmangel. Sie haben gemerkt, es geht auch so."</P><P>Zudem hätten viele Unternehmen lange falsch auf die schwere Tourismus-Krise reagiert. "Das Prinzip Hoffnung, es wird schnell wieder besser werden, war lange dominierend. Die Unternehmen haben zu wenig getan, um den Verbraucher zum Buchen zu animieren. Sie haben im Gegenteil gesagt: Wir lassen die Preise oben - wenn ein paar Leute weniger reisen, haben wir trotzdem ein gutes Ergebnis. Diese Rechnung ist aber nicht aufgegangen."</P><P>Die Branche sei aber nun aufgewacht. Konzerne wie Tui und Thomas Cook hätten erkannt, dass sie mehr auf die Kunden zugehen müssten. Dafür sprächen Qualitätsoffensiven zum Beispiel bei Hotels und Flug, sinkende Preise, mehr finanzielle Anreize für Frühbucher und weniger Schnäppchen.</P><P>2004 könne für die Tourismus-Branche nur besser werden, meinte Born. "Noch weiter abwärts kann es eigentlich nicht mehr gehen". Allerdings würden die Unternehmen lange noch meilenweit entfernt sein vom Spitzen-Niveau der Jahre 2000 und 2001. "Insofern muss man mögliche Umsatzsteigerungen realistisch betrachten."</P><P>Vieles hänge zudem von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Deutschland ab. "Momentan sind alle Verbraucher sehr verunsichert. Wenn die Leute - etwa durch die vorgezogene Steuerreform - nicht bald mehr im Geldbeutel haben, werden sich viele sagen, dann muss ich eben noch ein weiteres Jahr auf meinen Urlaub verzichten."</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Opel: Zypries pocht in Paris auf Arbeitsplatz-Erhalt
Paris - Opel beschäftigt die große Politik: Am Donnerstag haben Wirtschaftsministerin Zypries und ihr Amtskollege Michel Sapin über den Verkauf an Peugeot gesprochen.
Opel: Zypries pocht in Paris auf Arbeitsplatz-Erhalt
Finanzinvestor Advent bietet 3,6 Milliarden Euro für Stada
Das Bieterrennen um Stada geht auf die Zielgerade. Nun liegt ein erstes verbindliches Angebot vor. Schon in wenigen Tagen könnte sich entscheiden, ob der hessische …
Finanzinvestor Advent bietet 3,6 Milliarden Euro für Stada
Trumps Finanzminister prophezeit sattes Wirtschaftswachstum
Washington - Donald Trumps neuer Finanzminister verspricht Großes: Reformen sollen den USA „echtes Wachstum“ bringen. Geplant sind unter anderem Steuersenkungen für …
Trumps Finanzminister prophezeit sattes Wirtschaftswachstum
Textilgipfel in Bangladesch unter Druck
Dhaka (dpa) – Kurz vor dem internationalen Bekleidungsgipfel in Bangladesch am Samstag wächst der Druck auf die Textilhersteller in dem Land.
Textilgipfel in Bangladesch unter Druck

Kommentare