Urlaubsgeld aufgebessert: Eine halbe Million für den Mercedes-Chef

- Stuttgart - Am Wochenende packte Mercedes-Chef Eckhard Cordes erst einmal seine Koffer und flog in den Urlaub. Dass der 54-Jährige nach seiner Rückkehr noch lange an der Spitze der legendären Automarke stehen wird, gilt nach Informationen aus dem Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat inzwischen als nahezu ausgeschlossen. Dagegen soll der designierte Konzernchef und Nachfolger von Jürgen Schrempp Dieter Zetsche vorübergehend auch die Stammmarke Mercedes führen.

Am Donnerstag brachte Cordes mit seinem völlig überraschenden Kündigungsgesuch das Kontrollgremium in Schwierigkeiten, nun wurde bekannt, dass Cordes am Tag nach seiner Niederlage um die Nachfolge von Jürgen Schrempp auch einen Teil seiner Aktienoptionen zu Geld machte.

Rechtlich ist der Verkauf völlig einwandfrei

Cordes löste bereits am vergangenen Freitag eine Option zum Kauf von 92 500 Daimler-Chrysler-Aktien ein und verkaufte die Papiere dann mit einem Gewinn von 5,18 Euro je Papier an der Frankfurter Börse weiter. Cordes verdiente damit vor Steuern 497 150 Euro. Das geht aus einer Pflichtmitteilung des Autokonzerns im Internet hervor. Der Aktienverkauf hatte ein Volumen von 3,661 Millionen Euro.

Dies besserte seine Urlaubskasse auf einen Schlag um knapp eine halbe Million Euro auf. Aktionärsschützer wetterten prompt gegen den - rechtlich völlig einwandfreien - Schritt, auch im Stuttgarter Flurfunk war zu hören, die Sache mit den für Cordes billigen Aktien habe doch ein gewisses "Gschmäckle".

"Der Mann hat mit Daimler abgeschlossen", schließt Analyst Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz aus dem Verhalten von Cordes. Er macht sich Sorgen um den künftigen Kurs. Der Konzern müsse nun sicherstellen, dass die von Cordes erfolgreich gestartete Sanierung der Mercedes Car Group nicht stecken bleibe. "Wenn er weg ist, könnte es schon sein, dass bestimmte Sparprojekte ein bisschen langsamer umgesetzt werden."

Der kühle Analytiker Cordes hatte im Frühjahr das Kostenprogramm Core und damit den erfolgsverwöhnten Mercedes-Führungskräften einen eisernen Sparkurs "Back to Black" (Zurück zu Schwarz) auferlegt. Bis 2007 soll die auf 3,3 Prozent abgesackte Rendite bei 7 Prozent und damit auf BMW-Augenhöhe liegen.

Insgesamt geht es um Einsparungen zwischen drei und vier Milliarden Euro. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben, mehrere tausend Stellen könnten aber durch Abfindungen abgebaut werden. Cordes habe seit seinem Antritt im vorigen Oktober sehr schnell die Schwachstellen bei Mercedes aufgedeckt, heißt es im Unternehmen.

Deshalb würde Marktexperte Robert Heberger von der Privatbank Merck Finck den Abgang auch bedauern, "jeder ist aber ersetzbar". Aus strategischer Sicht sei es aber für Daimler-Chrysler sogar besser, einen möglicherweise drohenden, jahrelangen Machtkampf zwischen den Rivalen Zetsche und Cordes zu verhindern. "Es würde nichts bringen, wenn sie sich permanent in den Haaren liegen und gegenseitig blockieren."

Chrysler-Chef Dieter Zetsche, der ab Januar für Jürgen Schrempp an die Spitze des größten deutschen Unternehmens rückt, könnte nun deutlich früher als geplant von Detroit nach Stuttgart zurückkehren. Der Aufsichtsrat soll inzwischen die Variante favorisieren, Zetsche (52) noch vor der Automesse IAA in Frankfurt übergangsweise zum Mercedes-Chef zu berufen. Und dies sei "der schönste Job der Welt", wie Eckhard Cordes noch einige Tage vor seinem Karriereknick gesagt hatte.

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