+
Bernard Madoff droht eine lebenslange Haftstrafe.

150 Jahre Haft gefordert

Madoff-Prozess: 150 Jahre Haft gefordert

New York - Es war ein Wirtschaftsverbrechen von sagenhaftem Ausmaß, und die Strafe könnte ebenfalls gigantisch sein: 150 Jahre Haft hat die Staatsanwaltschaft gegen den US-Investor Bernard Madoff gefordert.

Madoff steht wegen Anlagebetrugs vor Gericht. Ein Bezirksgericht in New York hat bereits den Verfall von Madoffs Vermögen angeordnet und die Forderung mit 171 Milliarden Dollar beziffert. Das Urteil über die Haftstrafe wurde für den späten Montagnachmittag erwartet. Madoffs Verteidigung plädiert auf zwölf Jahre Haft für den 71-Jährigen.

Der einst hoch angesehene Financier Madoff hat laut Anklage mit einem Schneeballsystem 4.800 Anleger um einen zweistelligen Milliardenbetrag betrogen - der vermutlich größte Betrugsfall in der Geschichte der Wall Street. Der 71-Jährige bekannte sich vor Gericht im März unter anderem des Betrugs, der Untreue sowie der internationalen Geldwäsche schuldig. Madoff war früher Verwaltungsratschef der Technologiebörse Nasdaq. Laut Anklage soll Madoff spätestens seit den frühen 1990-er Jahren Gelder von Anlegern, die er vor allem in der jüdischen Gemeinde der USA einsammelte, nicht etwa in Aktien und Optionen angelegt haben. Vielmehr habe er die Milliarden lediglich auf einem Konto gelagert und Kunden, die Geld abziehen wollten, aus den Mitteln ausgezahlt, die er von neuen Anlegern eingeworben hatte.

Über Jahrzehnte soll Madoff auch über Marktschwankungen hinweg seinen Kunden auf diese Weise Renditen im zweistelligen Prozentbereich vorgegaukelt haben. Mit Tausenden gefälschter Kontoauszüge soll Madoff einen Wert der Anlage von insgesamt 65 Milliarden Euro vorgespiegelt haben.

Prominente und Stiftungen unter den Geschädigten

Zu den Geschädigten gehören Prominente wie der Regisseur Steven Spielberg, aber auch Stiftungen wie die des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel sowie Tausende von Privatanlegern, Pensionsfonds, Hedgefonds und wohltätige Einrichtungen. Auch Banken in Europa investierten bei Madoff.

Von den Einnahmen finanzierte Madoff der Anklage zufolge nicht nur Auszahlungen an Anleger, sondern auch den eigenen aufwendigen Lebensstil. Zu den Besitztümern, deren Einzug das Gericht beschlossen hat, gehören Millionen von Dollar teuere Immobilien in New York und Palm Beach, Florida, sowie eine Jacht. Das Urteil am Montag könnte sich verzögern. Mindestens zehn Madoff-Geschädigte hatten Stellungnahmen vor Gericht angekündigt. Auch der Angeklagte selbst wollte nach Angaben seiner Verteidigung das Wort ergreifen.

ap

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump: Steuern senken und Firmenumzüge nach Mexiko bestrafen
Der neue US-Präsident stellt den Freihandel in Nordamerika in Frage und will Importe aus Mexiko mit Strafzöllen belegen. Das Nachbarland legt sich schon einmal seine …
Trump: Steuern senken und Firmenumzüge nach Mexiko bestrafen
Kältewelle verdeutlicht Frankreichs Atom-Abhängigkeit
Materialsorgen und Finanznöte: Frankreichs Atombranche erlebt schwere Zeiten. Die Atomaufsicht nennt die Lage "besorgniserregend". Und vor der Präsidentschaftswahl ist …
Kältewelle verdeutlicht Frankreichs Atom-Abhängigkeit
McDonald's schwächelt wieder im US-Heimatmarkt
Mit ganztägigem Frühstück und neuen Angeboten hatte es für kurze Zeit so ausgesehen, als ob McDonald's den kriselnden US-Heimatmarkt rasch zurückerobern könnte. Doch der …
McDonald's schwächelt wieder im US-Heimatmarkt
Samsung führt Note 7-Brände auf Batterie-Probleme zurück
Samsung hat sich viel Zeit genommen, um die Probleme bei seinem feuergefährdeten Vorzeige-Modell Galaxy Note 7 zu untersuchen. Der Smartphone-Marktführer will verlorenes …
Samsung führt Note 7-Brände auf Batterie-Probleme zurück

Kommentare