US-Geldpolitik heizt Rekordjagd an

Frankfurt/ New York - Ein Dreiklang aus Öl, Gold und Euro sorgt seit Tagen für immer neue Aufregung an den internationalen Finanzmärkten. Scheinbar unaufhaltsam steigt der Preis für Rohöl der US-Sorte WTI in Richtung 100 Dollar je Fass. Die Feinunze Gold erreichte mit 793,55 Dollar den höchsten Stand seit 1980 und der Euro sprang erstmals auf 1,4438 Dollar.

 Auch wenn die Märkte für Öl und Gold auf den ersten Blick keine großen Gemeinsamkeiten mit dem Devisenhandel haben, erkennen Fachleute einen Zusammenhang zwischen den Rekorddaten. Der Knackpunkt ist die Geldpolitik in den USA. Die Aussicht auf eine weitere Zinssenkung der Notenbank setzte den Dollar noch einmal kräftig unter Druck. Die Dollarschwäche hat zur Folge, dass Geldanlagen in den USA, beispielsweise in Staatsanleihen, immer unattraktiver werden.

Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten mit ansprechenden Renditen werden die Investoren derzeit immer stärker bei den Rohstoffen fündig. Vor allem Öl und Gold gelten unter Experten als besonders geeignet. Beide Rohstoffe verfügen über einen Markt, der es erlaubt, auch große Summen vergleichsweise schnell anzulegen. "Es kommen einfach immer neue Spieler an den Goldmarkt", sagte der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg. Die Rekordjagd lasse sich derzeit offenbar nicht bremsen. Selbst die Marke von 800 Dollar ist nach Einschätzung des Commerzbank-Experten nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach oben.

Der Goldpreis strebe derzeit auf ein neues Rekordhoch, das er zuletzt 1980 bei 850 Dollar erreichte. Damals hatte der Höhepunkt der Mexikokrise den Goldpreis hochkatapultiert.

Beim US-Ölpreis ist nun sogar die vor Jahren noch als utopisch abqualifizierte Zielmarke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) in greifbare Nähe gerückt. Neben geopolitischen Risiken wie den Spannungen an der türkisch-irakischen Grenze oder den angekündigten US-Sanktionen im Atomstreit mit dem Iran erkennen Fachleute auch an den Ölmärkten internationale Spekulanten als Preistreiber.

Die Aussicht auf weiter fallende Zinsen in den USA bildet den Treibsatz für die Rekordjagd beim Gold, dem Öl und beim Euro. "Der Euro jagt von Hoch zu Hoch", betonte Ökonom Rainer Sartoris vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dieser Trend dürfte zunächst anhalten.

Die obersten Währungshüter der USA werden bei ihrer Geldpolitik nach Einschätzung von Fachleuten die möglichen Folgen der Immobilienkrise in den USA im Blick haben. Volkswirte rechnen daher allgemein mit sinkenden Zinsen. An den Finanzmärkten wird für Mittwoch eine Leitzinssenkung in den USA von mindestens 0,25 Prozentpunkten erwartet.

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