US-Gewerkschaft droht GM noch am Montag mit Streik

Detroit - Im Tarifkonflikt beim Autoriesen General Motors (GM) hat die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW für Montag mit einem Streik in den ganzen USA gedroht. Die Gewerkschaft hat eine "feste" Streikfrist für 11.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) festgelegt. Dies hat die Gewerkschaft in der Nacht zum Montag nach langen intensiven Verhandlungen mit GM in Detroit mitgeteilt.

Der alte vierjährige Tarifvertrag war am 14. September ausgelaufen. Die Gewerkschaft wolle bis zum Auslaufen der Frist am Verhandlungstisch bleiben, versicherte sie. Sie wolle streiken, falls sie bis dahin nichts anderweitiges höre. Die UAW (United Auto Workers) verwendet häufig Streikdrohungen in der Endphase von Tarifverhandlungen, um noch Zugeständnisse von Autofirmen zu erhalten oder um einen Abschluss zu beschleunigen.

US-Arbeitsmarktexperten nahmen die Streikdrohung allerdings ernst. Die UAW hat aber auch die Möglichkeit, die Streikfrist zu verschieben, falls sich Kompromisse in letzter Sekunde abzeichnen sollten. Die Gewerkschaft hat einen riesigen Streikfonds von 800 Millionen Dollar und zahlt den GM-Arbeitern im Streikfall 200 Dollar pro Woche. Sie kann sich somit einen langen Streik leisten.

Am Wochenende hatte es in Medienberichten noch geheißen, beide Seiten hätten einen Durchbruch bei den milliardenschweren Krankenversicherungs-Kosten erzielt. Die 50 Milliarden Dollar hohen Kosten für rund 340.000 GM-Betriebsrentner und ihre Angehörigen sollen demnach auf einen von der Gewerkschaft zu verwaltenden und von dem Autokonzern teilweise zu finanzierenden Sonderfonds übertragen werden.

Bei den Tarifverhandlungen geht es aber auch um von GM geforderte Lohn-, Arbeitsplatzregel- und andere Konzessionen. Damit will GM den Arbeitskostenabstand von 25 bis 30 Dollar je Stunde zu den US- Fabriken von Toyota, Honda und anderer ausländischen Autokonzerne verringern. GM hatte mit der Gewerkschaft bereits früher die Schließung von einem Dutzend weiterer Fabriken bis Ende 2008 und die Freisetzung zehntausender Arbeiter vereinbart. Die Gewerkschaft dringt hingegen vor allem auf die Sicherung der verbliebenen US- Arbeitsplätze. Es geht auch um einen Bonus bei Abschluss des Tarifvertrages für die UAW-Mitglieder.

Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger erklärte, man sei "enttäuscht und geschockt". "Wir haben in dieser Verhandlungsrunde Alles getan, um einen neuen Tarifvertrag auszuhandeln", versicherte er. Man sei neun Tage nach Auslaufen des alten Tarifabkommens am Verhandlungstisch geblieben. Er hob die Zugeständnisse der UAW- Mitglieder noch während der Laufzeit des alten Tarifabkommens hervor. Der für die GM-Tarifverhandlungen zuständige UAW-Vizepräsident Cal Rapson kritisierte die Boni, die sich die GM-Manager selbst gewährt hätten, während sie von den Gewerkschaftsmitgliedern einen niedrigeren Lebensstandard forderten. Die UAW hatte einen "nationalen" Streik gegen alle amerikanischen GM-Fabriken zuletzt im Jahr 1970 ausgerufen. Zwischenzeitlich waren durch einen langen Streik in zwei wichtigen GM-Fabriken in Flint im Jahr 1998 der größte Teil der amerikanischen GM-Aktivitäten lahm gelegt worden.

Die UAW vertritt nach zahlreichen Werksschließungs- und massiven langjährigen Stellenabbau-Aktionen des Branchenführers nur noch 73.000 GM-Arbeiter. GM verfügt in den USA noch über 82 Auto- und Teilefabriken sowie andere Betriebe. Die Gewerkschaft muss auch mit Ford und Chrysler neue Tarifabkommen vereinbaren. Sie richten sich in der Regel fast völlig nach den mit dem Hauptverhandlungspartner ausgehandelten Vereinbarungen. Dies ist dieses Mal General Motors.

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