US-Hypothekenkrise: Angst macht sich auch in Deutschland breit

Düsseldorf - Die deutschen Unternehmen melden fast täglich neue Rekordgewinne. Die Arbeitslosenzahl sinkt. Kurz: Die Konjunktur brummt. Dennoch ist der Dax in den vergangenen Wochen um fast neun Prozent gefallen und am Finanzmarkt wächst die Angst vor einer Krise.

Denn wie eine dunkle Wolke überschatten seit Wochen Probleme auf dem US-Hypothekenmarkt weltweit die Finanzwelt. Angesichts sinkender Immobilienpreise und steigender Zinsen können immer mehr US-Schuldner ihre Hypotheken nicht mehr zahlen.

Zunächst gerieten dadurch Unternehmen in Schieflage, die sich auf Kredite für Kunden mit zweifelhafter Bonität, den sogenannten Subprime-Markt, spezialisiert hatten. Dann griff die Krise auch auf Geldinstitute über, die "normale" Hypothekenkredite vergaben. Einer der größten Hypothekenanbieter der USA, American Home Mortgage, räumte inzwischen ein, am Rand der Pleite zu stehen.

Nur auf den ersten Blick hat das wenig mit Deutschland zu tun. Denn durch die internationale Verflechtung der Finanzwelt hat die Krise längst auch Deutschland erreicht. Ein erstes Opfer gab es bereits: die Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank, die sich mit ihrem Fonds Rhineland Funding in großem Stil im Geschäft mit zahlungsschwachen US-Hypothekenschuldnern engagiert hatte. Sie konnte in dieser Woche nur durch eine milliardenschwere Stützungsaktion davor bewahrt werden, im US-Hypothekensumpf zu versinken (siehe Kasten). IKB-Chef Stefan Ortseifen musste gehen.

Diese Rettungsaktion macht deutlich, wie groß die Besorgnis der Finanzwelt sein muss. Tatsächlich warnte Jochen Sanio, der Chef der Finanzaufsicht BaFin am Wochenende im kleinen Kreis Insidern zufolge bereits vor der größten Bankenkrise seit 1931, wenn es nicht gelinge, die IKB zu retten. Mit seinem Horrorszenario wollte der BaFin-Chef wohl nicht zuletzt die Zahlungsbereitschaft der Privatbanker erhöhen.

Umso zufriedener zeigte sich der Bankenaufseher denn auch nach der Einigung. "Der Fall der IKB beweist, dass die deutsche Kreditwirtschaft willens und in der Lage ist, auch einer größeren krisenhaften Zuspitzung konsequent und überzeugend zu begegnen", zog er Bilanz.

Entwarnung also für Deutschland? Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken betonte jedenfalls, er halte "Spekulationen über eine drohende Bankenkrise für völlig aus der Luft gegriffen". Und auch die EZB bemühte sich, die angegriffenen Nerven der Marktteilnehmer zu beruhigen.

Das ist auch nötig. Denn viele in der Bankenwelt haben in der "Subprime-Krise" Lehrgeld gezahlt. Auf einer von der Financial Times Deutschland erstellten Liste über die prominentesten Verlierer der Krise finden sich erste Adressen wie ABN Amro, die Citigroup, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan Chase und UBS. Bundesbankpräsident Axel Weber hält das Engagement deutscher Banken am US-Immobilienmarkt für "überschaubar und insgesamt begrenzt". Mögliche Wertverluste in den Portfolios könnten verkraftet werden, unterstrich Weber.

Deshalb dürften die jüngsten Entwicklungen das Klima auf dem Finanzmarkt nachhaltig verändern. "Ich würde es so charakterisieren: Die Lust auf überzogene Risiken ist verloren gegangen", beschrieb Ian Lyngen von der Investmentbank RBS Greenwich Capital die Entwicklung.

3,5 Milliarden Euro für das Sorgenkind

Mit einer milliardenschweren Rettungsaktion für die Mittelstandsbank IKB wollen die staatliche KfW und die gesamte deutsche Bankenszene eine Branchenkrise abwenden.

"Es geht um die Stabilität des deutschen Finanzmarkts", erklärte der Bundesverband deutscher Banken.

Nach Informationen der "Welt"haben sich die Interessenverbände der Branche auf ein Paket in Höhe von 3,5 Milliarden Euro geeinigt.

500 Millionen Euro davon sollen die privaten Banken übernehmen. Weitere 500 Millionen Euro werden auf die Mitglieder des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) verteilt.Den Löwenanteil von 2,5 Milliarden Euro schultert die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

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