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Mary Barra.

Nach tödlicher Pannenserie

US-Kongress befragt GM-Chefin hart

Washington - Mit ihr wollte am Dienstag wohl niemand gern tauschen: Einen Vorwurf nach dem anderen musste sich die General Motors-Chefin in Washington anhören. Gute Erklärungen zu dem Massen-Rückruf bei GM hat sie kaum.

Nach einer Pannenserie des US-Autobauers General Motors mit mindestes 13 Toten hat sich Konzernchefin Mary Barra einem harten Verhör im US-Kongress gestellt. Mit scharfen Fragen brachten die Mitglieder eines Ermittlungsausschusses im Repräsentantenhaus die seit Januar amtierende GM-Chefin am Dienstag ins Schwitzen. Barra geriet mehrfach ins Stocken, antwortete ausweichend und verwies auf laufende interne Ermittlungen. Republikaner Joe Barton bezeichnete eine ihrer Antworten als „bürokratisches Kauderwelsch“.

Warum die fehlerhaften Zündschlösser des Zulieferers Delphi verbaut wurden, obwohl sie den von GM gesetzten Mindeststandards der Opel-Mutter nicht genügten, erklärte Barra nicht. Schlüssel konnten in den schwach ausgelegten Schlössern zurückspringen, woraufhin Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbag versagten. Fahrzeuge des größten Autobauers des Landes kamen so auf mindestens 31 Crashs.

„Ich will selbst die Antworten auf die Fragen, die Sie stellen“, sagte Barra während der zweieinhalb Stunden langen Sitzung. Erst der von der Opel-Mutter engagierte Anwalt Anton Valukas, der schon die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers untersucht hatte, werde Klarheit schaffen. Sie selbst habe erst am 31. Januar von dem Fehler erfahren - knapp zwei Wochen später kam der erste Rückruf, der seitdem auf insgesamt knapp 2,6 Millionen Autos ausgeweitet wurde.

„Wir können die Zeit nicht zurückdrehen“, sagte Barra. Sobald der Fehler bemerkt wurde, habe der Konzern gehandelt. Außerdem habe die Opel-Mutter sich selbst neue Standards gesetzt, verteidigte sich Barra auf die Vorwürfe gegen ihr Unternehmen. Auch der neu eingesetzte Sicherheitschef Jeff Boyer - ein altgedienter GM-Manager mit mehr als 40 Jahren im Konzern - solle künftig dafür sorgen, dass eine vergleichbare Unfallserie sich nicht wiederhole.

Der Demokrat Henry Waxman will einem Gesetzentwurf dafür sorgen, dass Autobauer bei ähnlichen Versäumnissen künftig stärker bestraft werden. „Wir müssen das Gesetz verbessern, um die nächste Auto-Tragödie zu verhindern“, sagte Waxman. Der US-Senat hat Barra für den (heutigen) Mittwoch ebenfalls zu einer Anhörung geladen.

Für reichlich Stirnrunzeln sorgten Barras Aussagen, dass wegen der Unfallserie bis heute kein für den Fehler verantwortlicher GM-Mitarbeiter seinen Job verloren habe und Barra sich auch noch nicht mit den zuständigen Delphi-Ingenieuren getroffen habe. Außerdem wolle sie „angemessene Informationen“ öffentlich machen - vor Journalisten sagte sie anschließend, dass der Bericht der internen Untersuchung aber unter Verschluss bleiben werde.

Angesichts dutzender Reporter, laufend klickenden Kameras und zahlreicher Angehöriger von Unfallopfern, die Bilder der Gestorbenen aufgestellt hatten, wirkte Barra angespannt. In ihren eröffnenden Bemerkungen entschuldigte sie sich bei den Betroffenen und zeigte sich „zutiefst betrübt.“ Um Entschädigungen für Opfer und Hinterbliebene soll sich Anwalt Kenneth Feinberg kümmern, der diese Aufgabe für schon nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 übernahm.

Zumindest in den Verkäufen an Privatkunden scheint sich der Skandal nicht niedergeschlagen zu haben, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Verkaufszahlen für März hervorgeht. Obwohl die betroffenen Modelle vor allem in den USA und Kanada verkauft wurden, stieg der Verkauf im Einzelhandel im März um sieben Prozent.

dpa

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