US-Leitzins abermals kräftig gesenkt - Wall Street unbeeindruckt

Washington/New York - Die zweite kräftige Senkung des US-Leitzinses binnen weniger Tage ist an den amerikanischen Börsen verpufft. Die US-Notenbank nahm am Mittwoch den Satz für Tagesgeld wie erwartet um 0,5 Punkte auf 3 Prozent zurück. Erst am Dienstag vergangener Woche hatte sie den Leitzins überraschend um 0,75 Prozentpunkte verringert.

Der Dow-Jones-Index fiel nach einem kurzen Aufbäumen unmittelbar nach Bekanntgabe des Zinsschnittes jedoch um 0,30 Prozent auf 12 442,83 Punkte. Der marktbreitere S&P-500-Index gab sogar 0,48 Prozent auf 1355,81 Punkte nach.

Die beiden jüngsten Entscheidungen der Federal Reserve sind US-Medien zufolge die stärkste Zinssenkung in einem solch kurzen Zeitraum seit Anfang der 80er Jahre. Sie sollen nach Angaben der Notenbank "im Zeitverlauf maßvolles Wachstum fördern und die Risiken für die Wirtschaft mindern". Dennoch gebe es weiterhin Gefahren für das Wachstum. Derzeit stünden die Finanzmärkte weiter "unter beträchtlichem Stress". Haushalte und Unternehmen hätten noch stärker Probleme, an Kredite zu gelangen. Jüngste Daten wiesen zudem auf eine Verschlechterung der Lage auf Immobilien- und Arbeitsmarkt hin. Der Schnitt um 0,5 Punkte war allgemein vom Markt erwartet worden.

Neue Konjunkturdaten offenbarten unterdessen eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Im vierten Quartal 2007 wuchs das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt laut US-Handelsministerium nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,6 Prozent. Im Vorquartal lag das Wachstum noch bei robusten 4,9 Prozent. Die jüngsten Angaben sind allerdings nur eine erste Schätzung, die sich noch deutlich ändern kann. Auf Basis dieser vorläufigen Daten wuchs die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent und damit so gering  wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Wirtschaftskommentatoren unterstrichen nach den Konjunkturdaten vom Mittwoch, dass sich das Wachstum trotz aller Rezessionsgefahren immer noch im positiven Bereich bewegt. Die ersten beiden Quartale werden nach Einschätzungen von Ökonomen ebenfalls schwach ausfallen. Frühestens vom Sommer an könne die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen.

Derweil verabschiedete das US-Abgeordnetenhaus mit überwältigender Mehrheit ein 146 Milliarden Dollar (98,6 Mrd Euro) umfassendes Konjunkturprogramm, um der schwächelnden Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Das Paket sieht Steuerrückzahlungen für Privatbürger zwischen 300 und 1200 Dollar sowie Investitionsanreize für Firmen vor. Präsident George W. Bush will das Programm noch im Februar in Kraft setzen. Zustimmen muss auch noch der Senat.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landwirte klagen über langsames Internet
Immer mehr Bauern in Deutschland klagen über ein zu langsames Internet. Nach einer repräsentativen Umfrage im aktuellen Konjunkturbarometer des Bauernverbandes sind 77 …
Landwirte klagen über langsames Internet
Fresenius bläst milliardenschwere US-Übernahme ab
Der Medizinkonzern Fresenius hat die geplante 4,4 Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Konzerns Akorn platzen lassen. Das Unternehmen habe beschlossen, die …
Fresenius bläst milliardenschwere US-Übernahme ab
Hannover Messe: Alles dreht sich um vernetzte Industrie
Hannover (dpa) - Die als weltgrößte Industrieschau geltende Hannover Messe hat begonnen. Bezüglich künstlicher Intelligenz müsse Deutschland nachholen und aufholen, …
Hannover Messe: Alles dreht sich um vernetzte Industrie
Weltbank: Wohlhabende Länder sollen höhere Zinsen zahlen
Klimawandel, Flüchtlinge und Pandemien - das Spektrum der Weltbank ist größer geworden. Nun bekommt die Weltbank mehr Kapital für Entwicklungsprojekte und neue …
Weltbank: Wohlhabende Länder sollen höhere Zinsen zahlen

Kommentare