US-Leitzinssenkung sorgt für Jubel an Börsen

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Frankfurt/Main (dpa) - Nach wochenlanger Krisenstimmung an den Finanzmärkten hat die überraschend deutliche Leitzinssenkung in den USA weltweit für Entspannung gesorgt. An den Börsen in den USA, Japan und Deutschland löste die Entscheidung Jubelstimmung aus und sorgte für ein Kursfeuerwerk.

Der US-Leitindex Dow Jones und der Deutsche Aktienindex DAX gewannen deutlich hinzu. Auch der Euro sprang am Mittwoch auf einen neuen Höchststand von 1,3989 Dollar. Die Zinssenkung sorgte für Wirbel an den Rohstoffmärkten und trieb den US-Ölpreis auf einen Rekord von mehr als 82 Dollar.

Die wochenlangen Turbulenzen an den Finanzmärkten infolge der US- Immobilienkrise werden aus Sicht von Volkswirten das Wachstum in Deutschland nur wenig dämpfen. "Wir haben in Deutschland keine Bankenkrise", sagte der Wirtschaftssachverständige Bert Rürup dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstag). Allerdings habe sich das weltwirtschaftliche Umfeld eingetrübt und damit auch die Wachstumsperspektiven. Trotzdem geht Rürup davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um rund 2,5 Prozent wachsen wird.

Um einer möglichen Rezession zu begegnen, hatte die US-Notenbank Fed am Dienstagabend den Satz für Tagesgeld kräftig um 0,5 Punkte auf 4,75 Prozent verringert. Volkswirte hatten lediglich eine Absenkung des US-Leitzinses um 0,25 Punkte erwartet. "Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit der vorangegangenen Sitzung des Offenmarktausschusses haben die Ungewissheit mit Blick auf die Wirtschaftsaussichten vergrößert", teilte die Fed mit und deutete zugleich an, weitere Zinssenkungen in Erwägung zu ziehen.

Die meisten Experten erwarten wegen der konjunkturellen Risiken eine weitere Senkung - so etwa die Commerzbank: "Auch wenn es zu einer graduellen Entspannung an den Finanzmärkten kommen sollte, werden die Verwerfungen in den kommenden Quartalen die US-Konjunktur belasten." Auch im Euro-Raum erwarten Experten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit geplanten Zinserhöhungen noch abwarten wird. In ihrer letzten Sitzung Anfang September hatte die EZB den Leitzins bei 4,0 Prozent belassen.

Die erste Zinssenkung der Fed seit vier Jahren ließ die Kurse an den internationalen Börsen steil steigen. In den USA feierte die Wall Street die Zinsentscheidung und der Leitindex Dow Jones ging nach der Fed-Sitzung mit einem markanten Plus von 2,51 Prozent auf 13 739,39 Punkte nach oben. Es war das erste Mal seit Oktober 2002, dass der Dow innerhalb eines Tages um mehr als 300 Punkte in die Höhe schoss. Auch die Börse in Tokio verzeichnete deutliche Kursgewinne.

Europas Börsen zogen am Mittwoch mit Kurszuwächsen nach. Der DAX legte um 140 Punkte auf 7716 Punkte zu. Insbesondere die Bankenwerte gehörten zu den Gewinnern. Der MDAX der mittelgroßen Werte stieg um 2,77 Prozent auf 10 291 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDAX ging es um 2,02 Prozent auf 919 Punkte nach oben. Damit holten die von der US-Krise um zweitklassige Hypothekenkredite (subprime) und ihren Folgen gebeutelten Märkte erstmals seit mehreren Monaten wieder tief Luft. "Alle Ampeln stehen auf grün", sagte ein Frankfurter Händler.

Manche Volkswirte interpretierten den deutlichen Zinsschritt der Fed als Krisensignal. "Die Not ist wohl größer als gedacht", schrieben die Analysten der Frankfurter Privatbank Metzler. "Im Kreditgewerbe gibt es extreme Verspannungen, die die Stabilität des Weltfinanzsystems gefährden können." Dagegen hat die US-Notenbank es mit ihrem Begleitkommentar nach Einschätzung des Marktstrategen Hans- Jürgen Delp von der Commerzbank geschafft, Krisenstimmung zu vermeiden. Die Währungshüter in Washington nahmen auch den weniger bedeutsamen Diskontsatz abermals um einen halben Prozentpunkt auf 5,25 Prozent zurück.

Der Euro-Kurs hielt sich auch am Mittwoch in der Nähe von 1,40 US- Dollar, nachdem er am Vorabend nach der US-Zinsentscheidung deutlich zugelegt hatte und auf einen Rekordstand gestiegen war.

Weniger Wirtschaftswachstum bedeutet zwangsläufig auch weniger Nachfrage nach Rohöl. Rohstoffexperten rechnen daher mittelfristig mit einer Entspannung beim Ölpreis. "Der Ölpreis wird wieder in Richtung der Marke von 70 Dollar zurückfallen", sagte DekaBank- Expertin Dora Borbély.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet nicht mit negativen Folgen der US-Immobilienkrise für die deutsche Konjunktur. "Wir befürchten weder eine allgemeine Kreditklemme noch ein Abrutschen der Weltkonjunktur oder der Konjunktur in Deutschland in eine Rezession", teilte der Verband am Mittwoch in Berlin mit. Zwar dürften die Schwierigkeiten in den USA länger zu spüren sein und das dortige Wachstum bremsen. Florierende asiatische Schwellenländer bildeten aber ein Gegengewicht. Für Deutschland erwartet der Bankenverband 2,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr und rund zwei Prozent für 2008.

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