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 Notenbank-Chef Ben Bernanke am Donnerstag.

Viele Experten überrascht

US-Notenbank FED dreht den Geldhahn zu

Washington - Seit Monaten wurde damit gerechnet, nun beginnt die US-Notenbank tatsächlich, sich langsam von ihrer extrem lockeren Geldpolitik zu verabschieden. Ein Schock an den Märkten blieb zunächst aus.

Die US-Notenbank hat angesichts besserer Aussichten für die Wirtschaft einen Kurswechsel in der Geldpolitik eingeleitet. Die monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren würden ab Januar von 85 auf 75 Milliarden Dollar (54,5 Mrd Euro) pro Monat reduziert, teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mit. Viele Experten reagierten überrascht. Sie hatten mit Abstrichen an der Politik des extrem billigen Geldes erst im kommenden Jahr gerechnet.

Der Leitzins hingegen bleibt wahrscheinlich noch bis 2015 auf dem historischen Tiefstand zwischen Null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als sich die schwere Finanzkrise ausbreitete. Die Börsen und der Euro machten erste Verluste nach der Mitteilung schnell wieder wett. Die befürchteten negativen Reaktionen an den Märkten blieben zunächst aus.

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Der Arbeitsmarkt habe sich weiter verbessert, auch wenn die Erwerbslosenquote noch zu hoch sei, begründete die Fed ihre Entscheidung. Auch die Risiken durch die von Streit geprägte Haushaltspolitik in den USA seien zurückgegangen. Die Anleihekäufe könnten daher künftig mit angemessener Geschwindigkeit weiter reduziert werden. Dafür gebe es aber keinen Zeitplan. Notenbank-Chef Ben Bernanke sagte bei der Pressekonferenz, er erwarte dabei „die gleichen moderaten Schritte“.

Ihren Ausblick für den Jobmarkt verbesserte die Notenbank leicht. So erwartet sie für Ende 2014 eine Arbeitslosenquote zwischen 6,6 und 6,3 Prozent. Die Fed bekräftigte, den Leitzins frühestens erhöhen zu wollen, wenn die Quote nicht mehr über 6,5 Prozent liegt. Zuletzt betrug sie 7,0 Prozent. Bernanke betonte aber, dass für eine Zinssenkung auch die anderen Daten stimmen müssten. Als eine Gefahr für die Wirtschaft werde die niedrige Inflation unter 2,0 Prozent betrachtet.

Schwieriger Ausstige aus Niedrigzinspolitik

Der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gilt als eine extrem schwierige Aufgabe. Das Risiko dabei ist, dass die Finanzmärkte und Weltwirtschaft mit Nervosität reagieren und die Konjunktur einen Rückschlag erleidet. Da sich die US-Konjunktur langsam erholt, hatte die Fed aber bereits vor vielen Monaten angekündigt, die Notenpresse auf lange Sicht schrittweise zu drosseln.

Die Entscheidung kam kurz vor dem Ende von Bernankes Amtszeit als Fed-Chef. Ab Februar 2014 soll seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen die Zügel in der Hand halten. Die 67-Jährige war bislang Vize-Chefin der Zentralbank.

dpa

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