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Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Illustration

Geldpolitik

US-Notenbank hebt Zinsen weiter an - was macht die EZB?

In den USA steigen die Leitzinsen weiter und liegen inzwischen schon wieder so hoch wie vor der Finanzkrise 2008. Nun richten sich alle Augen auf die EZB, die ihren Kurs bislang noch sehr locker hält.

Washington/Riga (dpa) - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht den Leitzins und will die Geldpolitik weiter straffen - nun rückt die Europäische Zentralbank (EZB) in den Fokus. An diesem Donnerstag (13.45 Uhr) verkünden die Euro-Währungshüter die Ergebnisse ihrer jüngsten Beratungen.

Ausnahmsweise tagt der EZB-Rat nicht am Sitz der Zentralbank in Frankfurt, sondern in der lettischen Hauptstadt Riga. Die Erwartungen sind groß: Anleger und Sparer hoffen auf konkrete Hinweise, wann die Geldflut im Euroraum endet.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte in der vergangenen Woche eine baldige Entscheidung über die Zukunft des Anleihenkaufprogramms angedeutet. Der EZB-Rat werde bei seiner Sitzung in Riga "prüfen müssen, ob die bisherigen Fortschritte ausreichen, um unsere Anleihenkäufe schrittweise zurückzufahren", hatte Praet gesagt.

Aktuell kauft die EZB pro Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 30 Milliarden Euro. Damit will sie die Konjunktur stützen und die Inflation, die zeitweise bedenklich niedrig war, anheizen. Seit Beginn des Programms im März 2015 hat die Notenbank Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben. Die Käufe laufen nach bisheriger Planung bis mindestens Ende September 2018.

Während Volkswirte im Euroraum frühestens Mitte 2019 eine erste Zinsanhebung über das aktuelle Rekordtief von null Prozent hinaus erwarten, schreitet die Normalisierung der Geldpolitik in den USA voran. Die Notenbank erhöhte den Leitzins am Mittwoch erneut und deutete ein höheres Tempo bei weiteren Schritten an. Der Schlüsselsatz, zu dem sich Banken gegenseitig kurzfristige Kredite geben, steigt um 0,25 Punkte auf eine Spanne von 1,75 bis 2,00 Prozent. So hoch waren die US-Zinsen zuletzt 2008, bevor die Finanzkrise begann.

Für den weiteren Jahresverlauf wurden zwei weitere Zinsanhebungen signalisiert. Damit wären es 2018 insgesamt vier - eine mehr als bislang in Aussicht gestellt worden war. "Die US-Wirtschaft ist in großartiger Verfassung", begründete Fed-Chef Jerome Powell die Straffung der Zügel vor der Presse. Er verwies insbesondere auf die gute Lage am Arbeitsmarkt und das starke Wachstum - hier hob die Notenbank auch ihre Prognosen für das laufende Jahr etwas an.

"Die Fed handelt, wie jede verantwortungsvolle Zentralbank bei steigender Überhitzungsgefahr handeln muss", kommentierte Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung die Entscheidungen der Notenbank. Die Zinserhöhungen seien auch eine Antwort auf die Politik von US-Präsident Donald Trump, der den Boom mit massiven Steuersenkungen befeuere. "Hinzu kommt die Absage an offene Märkte", die zu steigenden Importpreisen führe. All dies werde die Fed künftig zu weiteren Zinserhöhungen zwingen.

Zu den Handelskonflikten, die Amerika unter Präsident Trump mit seinen Partnern hat, wollte sich Powell nicht konkret äußern. Die Handelspolitik sei nicht Sache der Notenbank. Der Fed-Chef sagte dann aber doch noch, dass die Sorgen in der Wirtschaft offenbar zunehmen würden. "Derzeit sehen wir davon aber überhaupt nichts in den Daten." Der Zinsentscheid fiel einstimmig und kam nicht überraschend - an den Finanzmärkten war fest damit gerechnet worden.

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