US-Notenbank reagiert auf Rezessionsangst: Deutlicher Zinsschnitt

Washington - Mit dem heftigsten Zinsschnitt seit fast einem Vierteljahrhundert hat die US-Notenbank am Dienstag auf die wachsenden Konjunkturrisiken in der weltweit größten Volkswirtschaft reagiert. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve senkte ihren Leitzins gleich um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent.

Mit einem Zinsschritt von mindestens 0,50 Punkten war allgemein für den 30. Januar gerechnet worden. Notenbankchef Ben Bernanke und seine Kollegen hatten die Märkte bereits zuvor mit deutlichen Warnungen vor konjunkturellen Risiken auf eine Zinssenkung eingestimmt.

Die US-Währungshüter begründeten den Schritt mit schwächeren Aussichten für die Wirtschaft und zunehmenden Wachstumsrisiken. Außerdem wiesen sie auf die hartnäckige Finanzmarktkrise hin. Die Marktkonditionen hätten sich weiter verschlechtert und die Kreditbedingungen für einige Haushalte und Unternehmen seien ungünstiger geworden. Neueste Daten wiesen zudem darauf hin, dass der Abschwung am Immobilienmarkt noch nicht ausgestanden sei. Außerdem schwäche sich die Lage am Arbeitsmarkt ab.

Die Notenbank machte in ihrer Pressemitteilung zudem deutlich, dass sie die Auswirkungen auf den Finanzmärkten auf die wirtschaftlichen Aussichten weiter genau beobachten und "rechtzeitig in der notwendigen Weise handeln" werde. Marktteilnehmer erwarten, dass die Währungshüter auf ihrer regulären Sitzung am 30. Januar eine neuerliche Absenkung um mindestens 0,25 Punkte beschließen.

Mit der Entscheidung vom Dienstag hat die Fed ihren Leitzins seit dem Sommer angesichts der sich zuspitzenden Krise auf dem Kredit- und Häusermarkt um insgesamt 1,75 Prozentpunkte zurückgenommen. Die Notenbank hatte US-Medienberichten zufolge ihren Leitzins zuletzt im Oktober 1984 um 0,75 Punkte zurückgenommen. Zudem war es die erste Zinssenkung zwischen den regulären Sitzungen des Offenmarktausschusses seit September 2001. Damals wollten die Währungshüter Konjunkturängste nach den verheerenden Anschlägen auf New York und Washington dämpfen.

US-Finanzminister Henry Paulson begrüßte die Entscheidung der Fed als "konstruktiv". Der Schritt zeige, dass die Fed "flink ist und schnell reagieren kann". Der Finanzminister äußerte sich trotz der Immobilien- und Kreditkrise zuversichtlich über den Zustand der US-Wirtschaft. "Die Struktur der Wirtschaft ist gut fundiert, die Langzeit-Aussichten sind gesund", sagte Paulson. Die Arbeitslosigkeit sei weiterhin niedrig, es würden weiterhin Jobs geschaffen, wenn auch mit gedrosseltem Tempo.

Die Fed steht im Einklang mit dem Kurs von Präsident George W. Bush, der in der vorigen Woche ein riesiges Konjunkturpaket angekündigt hat, das bis zu 145 Milliarden Dollar ausmachen soll. Paulson zeigte sich zuversichtlich, dass das Programm, das vor allem aus Steuergeschenken besteht, bis zum Frühjahr unter Dach und Fach ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Einigung im Streit um VW-Haustarif
Langenhagen (dpa) - Im Streit um den Haustarif bei Volkswagen hat es in der Nacht zum Mittwoch eine Einigung gegeben. Zu den Details wurde allerdings zunächst nichts …
Einigung im Streit um VW-Haustarif
Lidl hat Rückruf von Blätterteig wegen möglichen Metallteilen ausgeweitet
Wegen möglicher Metallteile hat der Discounter Lidl einen bestimmten Blätterteig zurückgerufen.
Lidl hat Rückruf von Blätterteig wegen möglichen Metallteilen ausgeweitet
Post-Tarifverhandlungen ohne Ergebnis
Wiesbaden (dpa) - Im Tarifkonflikt bei der Post droht die Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks. In der vierten Verhandlungsrunde Anfang kommender Woche müsse endlich …
Post-Tarifverhandlungen ohne Ergebnis
ADAC fordern von Auto-Herstellern: Dieselnachrüstung muss kommen
Die Hardware-Nachrüstung von Euro-5-Dieselautos könnte aus Sicht des ADAC die Luftqualität in Stadtgebieten um bis zu 25 Prozent verbessern.
ADAC fordern von Auto-Herstellern: Dieselnachrüstung muss kommen

Kommentare