US-Notenbank rettet Versicherer AIG

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New York/Berlin (dpa) - Die Rettung des US-Versicherers AIG hat den Weltbörsen am Mittwoch nur eine kurze Atempause von den Turbulenzen der Finanzkrise verschafft. Schon am Nachmittag brachen die Kurse wieder ein.

Vor allem Spekulationen über einen drohenden Zusammenbruch der größten britischen Hypothekenbank HBOS sorgten für neue Alarmstimmung. Auch überraschend gute Quartalszahlen der US- Investmentbank Morgan Stanley verpufften. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte, die deutsche Wirtschaft werde von der Krise nicht unberührt bleiben. In Deutschland gab es Ärger um eine Zahlung von 300 Millionen Euro, die die staatseigene Bank KfW noch am Montag der insolventen Investmentbank Lehman Brothers anwies.

Die KfW erläuterte, die Zahlung sei ein Termingeschäft zur Absicherung von Währungskursrisiken gewesen. Hier würden Überweisungen oft automatisch vom Computer ausgeführt. Der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig, nannte die Zahlung "mehr als verwunderlich und ärgerlich" und forderte Konsequenzen.

Der DAX verlor zum Handelsschluss 1,75 Prozent auf 5860,98 Punkte. Die Börsen in Paris und London fielen noch stärker. An der Wall Street notierte der Dow Jones zu diesem Zeitpunkt um 2,6 Prozent im Minus bei 10 771 Punkten. Am einstigen Boommarkt Moskau wurde der Handel nach hohen Kursverlusten erneut ausgesetzt.

Neue Sorgen bereitete den Märkten die Halifax Bank of Scotland (HBOS), die wegen der Finanzkrise in Nöten steckt. Nach Informationen der BBC wird eine Fusion mit dem britischen Finanzkonzern Lloyds erwogen. HBOS bestätigte am Mittwoch Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium. Die HBOS-Aktien brachen zeitweise um über 50 Prozent ein. "Der Markt geht durch eine Kneipp-Kur mit Wechselbädern und jetzt landet mit HBOS bereits die nächste Bank auf dem Operationstisch", sagte ein Börsianer.

Morgan Stanley erzielte im abgelaufenen Geschäftsquartal einen Überschuss von 1,4 Milliarden Dollar, nur acht Prozent unter dem Vorjahr. Das war ein im Branchenvergleich relativ geringer Rückgang. Analysten hatten zuvor mit einem deutlich schlechteren Ergebnis gerechnet. Die Morgan-Stanley-Aktie verlor im frühen Handel in New York dennoch rund zehn Prozent.

Am Dienstagabend hatte die außergewöhnliche Rettungsaktion der US- Notenbank für den Versicherungsriesen AIG noch die US-Börsen ins Plus drehen lassen und Hoffnungen auf eine Entspannung an den Märkten geweckt. Die Federal Reserve hatte mit einem Notkredit von 85 Milliarden Dollar die AIG vor dem Zusammenbruch gerettet. Im Gegenzug übernimmt sie die Kontrolle bei dem größten US-Versicherer. Die American International Group (AIG) war wegen Milliardenverlusten im Zuge der Kreditkrise in akute Kapitalnot geraten. Ihre Pleite hätte das internationale Finanzsystem erschüttern können.

Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers will die britische Großbank Barclays Kernbereiche der US-Investmentbank für gut 1,2 Milliarden Euro übernehmen. Dazu gehören auch das nordamerikanische Investmentbanking- und Kapitalmarktgeschäft sowie mehrere kleinere Abteilungen, wie die Bank am Mittwoch in London mitteilte. Insgesamt arbeiten rund 10 000 Menschen in den verschiedenen Bereichen. "Dies war eine Möglichkeit, wie sie sich nur einmal im Leben bietet", sagte Barclays-Präsident Robert Diamond.

Die Auswirkungen der Turbulenzen auf die deutsche Wirtschaft sind nach den Worten von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) bisher "moderat". Allerdings werde sie "nicht völlig unberührt" bleiben, sagte sie in der Haushaltsdebatte im Bundestag. Mit Blick auf Lehman Brothers stellte die Kanzlerin fest, dass sich das Engagement deutscher Kreditinstitute "glücklicherweise" in überschaubarem Rahmen bewege.

Die Bundesregierung sieht sich laut Merkel bestätigt in ihrem Bemühen nach mehr Transparenz an den internationalen Finanzmärkten. Die Initiative während der deutschen Präsidentschaft in der G8-Gruppe der sieben führenden Industrieländer und Russlands sei im vergangenen Jahr noch belächelt und als Regulierung abgetan worden. "Man kann glücklicherweise sagen, dass einiges in Gang gekommen ist", sagte Merkel.

Der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, sieht keinen Bedarf für eine zentrale EU-Finanzaufsicht. Es gehe für die Europäische Union nicht um eine Zentralisierung, sondern um mehr Koordination und Absprache zwischen den verantwortlichen Behörden, sagte der luxemburgische Premier- und Finanzminister in Brüssel. Es sei mehr Regulierung nötig, um solche Finanzkrisen besser unterbinden zu können. Zugleich warnte er davor, die Gefahren für die Europäische Union zu unterschätzen. "Es wäre naiv zu denken, die Auswirkungen der amerikanischen Finanzkrise würden uns nicht erreichen."

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