US-Notenbank sorgt für billiges Geld

New York - Weltweit wanken große Bankhäuser, in Amerika schreckt das Rezessionsgespenst. Kurzum: Die Finanzkrise zieht ihre Kreise. Unsere Zeitung fasst zusammen, was derzeit die Märkte bewegt.

Sinkende US-Zinsen

Marktbeobachter sprachen von einer "Panikaktion", als die US-Notenbank vorige Woche völlig überraschend den Leitzins so stark absenkte wie seit fast 25 Jahren nicht mehr. Um 0,75 Punkte auf 3,5 Prozent ging es runter und das ist wohl längst nicht das Ende der Fahnenstange: Der Markt erwartete, dass die Federal Reserve bei ihrer Sitzung am Mittwochabend in Washington den Satz erneut um mindestens 0,5 Punkte kappt. Damit will Fed-Chef Ben Bernanke das Abgleiten der USA in eine Rezession verhindern. Denn niedrigere Zinsen bedeuten, dass sich die Banken zu günstigeren Konditionen Geld besorgen und an Privat- und Geschäftskunden weiterreichen können. Das soll die Investitionsbereitschaft anfachen und die Wirtschaftsleistung erhöhen.

Konjunkturspritze

Billigeres Geld allein reicht nach Ansicht von Bernanke und Präsident George W. Bush aber nicht, um die wegen der Immobilienkrise ausgebremste weltgrößte Volkswirtschaft zu stützen. Das US-Abgeordnetenhaus hat deswegen am Mittwoch ein knapp 150 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm verabschiedet. Das Paket sieht vor, Bürgern je nach Einkommen zwischen 300 und 1200 Dollar an Steuern zu erlassen. Das die Finanzspritze wirkt, stellt jedoch mancher Ökonom in Frage: "Das überzeugt mich nicht", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Wolfgang Pflüger, in München. Das Geld wird seiner Ansicht nach nicht in den Konsum fließen, sondern auf Sparkonten und in den Schuldendienst. Konjunkturelle Impulse blieben aus.

Rezessionssorgen

Die Sorgen vor einer wirtschaftlichen Talfahrt in den USA haben derweil neue Nahrung bekommen: Das Wirtschaftswachstum ist im vierten Quartal 2007 drastisch eingebrochen, wie erste Hochrechnungen des US-Handelsministeriums ergeben haben. Demnach legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur 0,6 Prozent zu, nachdem es im Quartal zuvor noch 4,9 Prozent waren. Es sei weniger konsumiert und exportiert worden, hieß es. Zudem seien die Staatsausgaben zurückgegangen.

"Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA mindestens 50 Prozent beträgt", sagte der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, der Zeitung "Die Zeit". Die Mittel der Notenbanker und Haushaltspolitiker könnten das nicht verhindern. Nach seiner Ansicht ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Schwäche der US-Wirtschaft eine weltweite Rezession hervorruft. Von einer solchen wird gesprochen, wenn das BIP zwei Quartale nacheinander im Vergleich zum Vorjahr nicht wächst.

Andere Wirtschaftsexperten schließen hingegen nicht aus, dass ausgehend von den USA auch andere Länder in einen konjunkturellen Abwärtssog geraten könnten. Vor allem Japan sei gefährdet, sagt Berenberg-Ökonom Pflüger und verweist auf eine kürzlich veröffentlichte Studie der Investmentbank Goldman Sachs. Begründet wird das mit den engen Handelsbeziehungen: Fast ein Viertel aller japanischen Ausfuhren gehen in die USA. Unter dem schwachen Dollar könnten die Handelsbilanz leiden, weil die US-Abnehmer auf für sie günstigere Lieferanten umsteigen.

Banken unter Druck

Die Folgen der Hypothekenkrise in Nordamerika verhageln weiteren Banken die Bilanz für das Jahr 2007. Das größte Schweizer Geldhaus UBS weist erstmals seit zehn Jahren rote Zahlen auf, weil es insgesamt fast 18,4 Milliarden Dollar abschreiben muss. Allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres sei ein Minus von 11,4 Milliarden Franken angefallen. Der Reinverlust für das Gesamtjahr liegt bei rund 2,6 Milliarden Euro, wie die UBS mitteilte. Auch die größte französische Bank, die BNP Paribas hat die Krise eingeholt - wenn auch weniger stark als den Schweizer Konkurrenten. Die Belastungen wegen ausfallender Kredite bezifferte die Großbank allein im Schlussquartal auf rund 900 Millionen Euro. Unterm Strich konnte das Institut seinen Gewinn im Gesamtjahr trotz der Abschreibungen mit 7,8 Milliarden Euro um sieben Prozent steigern.

Frühwarnsystem

Angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten fordern die führenden EU-Staaten mehr Transparenz und ein Frühwarnsystem für künftige Kreditkrisen. Bei einem Krisengipfel in London riefen Spitzenpolitiker aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien zu Reformen auf. "Es gibt Lücken, die geschlossen werden müssen", sagte Kanzlerin Angela Merkel. Wenn Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfer ihre Pflichten nicht erfüllten, seien regulatorische Maßnahmen notwendig. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte: "Die Märkte müssen besser informiert werden."

Keine Kreditklemme

Die Finanzkrise hat nach Ansicht der KfW-Bankengruppe bisher in Deutschland nicht zu einer Kreditklemme geführt. Die KfW-Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier sagte in Frankfurt, davon könne "jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt keine Rede sein". Beobachter hatten zuletzt wiederholt darauf hingewiesen, dass viele Firmen Schwierigkeiten hätten, an Darlehen zu gelangen.

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