US-Regierung stützt Hypothekenbanken mit Milliarden

Washington/New York - Nach dem spektakulären Zusammenbruch der amerikanischen Bausparbank IndyMac hat die US-Regierung einen milliardenschweren Stützungsplan für die zwei angeschlagenen größten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac angekündigt.

Die Rettungsaktion soll angesichts der neuen schweren Turbulenzen die ohnehin krisengeschüttelten Finanzmärkte beruhigen. Unterdessen drohen weitere Ausfälle von US-Banken. Die seit einem Jahr tobende Krise wird die Finanzwelt nach Einschätzung von Experten noch lang in Atem halten und auch die Konjunktur in Deutschland schwächen.

Fannie Mae and Freddie Mac stehen hinter mehr als der Hälfte aller US-Hypotheken. Ihr Zusammenbruch hätte für die gesamte Bankenbranche und die Märkte Experten zufolge unabsehbare Folgen. In Deutschland seien Bankenpleiten nicht zu befürchten, sagte Banken-Experte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance am Montag in einem dpa-Gespräch. "Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland die Insolvenz einer Bank sehen." Es sei aber mit einer Delle in der deutschen Wirtschaftsentwicklung zu rechnen.

Fannie Mae und Freddie Mac sollen in den USA nun schnell auf dreifache Weise Hilfe bekommen. Die staatliche Kreditlinie für die Finanzierer soll "vorübergehend" deutlich erhöht werden, kündigte US-Finanzminister Henry Paulson am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington an. Der Staat werde soweit nötig auch Aktien der zwei zuletzt an der Börse massiv abgestürzten Gesellschaften kaufen. Die Notenbank gab überdies grünes Licht, den Instituten notfalls ihr Diskont-Kreditprogramm zu öffnen.

Die US-Börsen reagierten am Montag zur Handelseröffnung zunächst erleichtert auf den Stützungsplan. Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac legten zu. Auch der deutsche Aktienindex DAX lag am Nachmittag im Plus. Analysten zeigten sich allerdings skeptisch und senkten umgehend ihre Kursziele für Fannie Mae und Freddie Mac.

Bankexperten sehen US-Medien zufolge rund 150 der landesweit etwa 7500 Banken binnen der nächsten eineinhalb Jahre womöglich in Gefahr. Die Bankenaufsicht hatte im Frühjahr laut "New York Times" 90 bedrohte Institute gezählt. Die am Freitag zusammengebrochene IndyMac, das bislang größte Opfer der Kreditkrise in den USA, habe dabei nicht einmal auf der Liste gestanden. Den Behörden zufolge handelt es sich um den zweitgrößten Banken-Crash der US-Geschichte. IndyMac war einer der größten Immobilienfinanzierer des Landes.

Die Turbulenzen in der Finanzwelt könne zu massiven Umbrüchen in der Bankenlandschaft auch in Europa führen, sagte Banken-Experten Dirk Schiereck in einem dpa-Gespräch. "Die Krise ist keineswegs ausgestanden, sie wird uns das ganze zweite Halbjahr noch begleiten", sagte der Professor an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel im Rheingau. "Die eigentliche Krise steht noch vor uns", sagte auch Faust. "Für mich ist das erst der Anfang."

Paulson unterstrich in seiner Erklärung die Bedeutung von Fannie Mae und Freddie Mac für die Finanzwelt. Ihre Anleihen "werden von Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt gehalten", sagte er. "Ihre Stärke zu gewährleisten, ist wichtig, um Vertrauen und Stabilität in unserem Finanzsystem und unseren Finanzmärkten aufrecht zu erhalten."

Ein weiterer Belastungstest für die beiden krisengeschüttelten Hypothekenfinanzierer stand noch am Montag an: Freddie Mac wollte wie schon länger geplant kurzfristige Anleihen in Höhe von drei Milliarden Dollar (1,9 Mrd Euro) ausgeben. In dieser Woche legen zudem große US-Banken wie Citigroup Quartalszahlen vor. Experten befürchten weitere Milliardenabschreibungen.

Die US-Börsenaufsicht SEC verstärkt unterdessen in einer konzertierten Aktion den Kampf gegen kriminelle Manipulationen von Aktienkursen. Im Zuge der Finanzmarktkrise häuften sich zuletzt Fälle, in denen die Kurse von Banken nach Gerüchten über Liquiditätsprobleme dramatisch eingebrochen waren.

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