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Leere Regale: US-Luftbrücke für Babynahrung aus Deutschland – „Es ist frustrierend“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Mangel an Babynahrung in den USA
Fast leere Regale stehen in einem Supermarkt in der Abteilung für Babynahrung. Hintergrund der landesweiten Engpässe ist der Ausfall einer Fabrik von Abbott, dem größten Hersteller von Säuglingsmilchnahrung in den USA. © Amy Katz/ZUMA Press Wire/dpa

In den USA herrscht seit mehreren Monaten ein eklatanter Mangel an Babynahrung. Jetzt muss die US-Luftwaffe von Ramstein aus für Nachschub sorgen.

Ramstein – Amerikanische Soldaten schichten im rheinland-pfälzischen US-Stützpunkt Ramstein Kisten mit Babynahrung in einen Militärflieger. Dieser fliegt allerdings nicht in von Hungersnot geplagte Kriegsgebiete wie etwa Afghanistan oder Jemen – sondern in die USA. Eine US-Militärmaschine aus Deutschland landete am Sonntag mit mehr als 31 Tonnen Säuglingsnahrung im Bundesstaat Indiana.

USA: Verzweifelte Eltern wegen Mangel an Babynahrung

In den USA herrscht seit mehreren Monaten ein eklatanter Mangel an Babynahrung und -milchpulver. Dieser trifft vor allem Babys und Kleinkinder, die wegen Allergien oder Erkrankungen auf eine bestimmte Spezial-Nahrung angewiesen sind. Deren verzweifelte Eltern haben sich schon an Krankenhäuser gewendet, um ihnen dabei zu helfen, ihre Babys zu ernähren, berichtet der US-Sender CNN.

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Ernährungsspezialisten einer Kinderklinik in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina sagten gegenüber CNN, dass vor kurzem mindestens vier Babys wegen Komplikationen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Mangel an Säuglingsnahrung ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Präsident Biden kündigt Luftbrücke an – Babynahrung aus Deutschland

US-Präsident Joe Biden kündigte vergangene Woche eine Luftbrücke an, um die Säuglingsnahrung aus dem Ausland heranzuschaffen und somit den Bedarf zu decken. Die erste Lieferung aus Ramstein kann etwa 15 Prozent des unmittelbaren Bedarfs auffangen, sagte der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Brian Deese, dem Sender CNN. Es handele sich um Babynahrung der Marke Nestlé. Weitere Lieferungen „werden Anfang der Woche“ ankommen, fügte er hinzu.

Die kommenden Tage soll beispielsweise ein zweiter Flug von Ramstein in die USA starten. Wie das Weiße Haus mitteilte, würden wegen der Dringlichkeit dafür zunächst Militärflugzeuge eingesetzt, weil am Wochenende keine kommerziellen Flüge verfügbar gewesen seien. Die Säuglingsnahrung wurde nach Indiana geflogen, wo sich ein Drehkreuz von Nestlé befindet. Dort soll sie in einem nahe gelegenen Labor auf ihre Qualität geprüft werden, bevor sie im Land verteilt wird.

Mangel an Babynahrung: Nur wenige inländische Hersteller

Deese sagte auf die Frage, wieso in den USA – einem der reichsten Länder der Welt – überhaupt Babynahrung knapp werden könne: „Es ist frustrierend.“ Auslöser war der Ausfall einer Fabrik von Abbott, dem größten Hersteller von Säuglingsmilchnahrung in den USA. Abbott hatte mehrere Produktlinien zurückgerufen, nachdem möglicherweise wegen bakterieller Verunreinigungen vier Säuglinge erkrankt und zwei gestorben waren. Die Produktion in einem Werk der Firma im Bundesstaat Michigan wurde im Februar vorerst gestoppt.

Das Problem: Es gibt für US-Eltern kaum Ausweichmöglichkeiten, da die Babykost fast komplett aus inländischer Produktion stammt – und zwar von vier großen Herstellern. Fällt einer von ihnen aus, kann es schnell zu Engpässen kommen. Vor allem weil auch die anderen Hersteller nicht so viel Säuglingsnahrung produzieren können, da die Branche seit der Corona-Pandemie mit Lieferkettenproblemen und Personalmangel zu kämpfen hat. Ausländische oder europäische Hersteller liefern wegen der strengen Importvorschriften – die erlassen wurden, um die heimische Wirtschaft zu schützen – kaum oder keine Babynahrung in die USA.

Hilfsprogramme abhängig von einem bestimmten Babynahrungshersteller

Ein weiterer Grund für den Mangel sind auch die Abhängigkeiten der Hilfsprogramme für bedürftige Familien von den Herstellern. US-Bundesstaaten schließen für ihre Hilfsprogramme Verträge mit einem Hersteller für Babynahrung ab, und die Hilfsempfänger dürfen nur dessen Produkte mit Rabatt kaufen. Familien mit wenig Einkommen spüren deshalb den Engpass bei der Babynahrung am stärksten, da sie nun auf für sie viel teurere Marken zurückgreifen müssen, sofern diese überhaupt vorhanden sind. Doch das soll sich mit der aktivierten Notfallverordnung des US-Präsidenten nun ändern.

Gute Nachrichten gibt es aber auch: Nach einer Prüfung der Lebensmittelbehörde kann Abbott die Produktion wieder aufnehmen. Es wird aber Wochen dauern, bis das Milchpulver wieder in den Supermarktregalen steht.

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