USA: Schlägt BMW den Riesen VW?

- München - Von Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch weiß man, dass er sich das Münchner Schnäppchen gern unter den Nagel gerissen hätte, als durch die Rover-Misere BMW schwächelte. Es gelang dank der treuen BMW-Großaktionäre bekanntlich nicht. Sonst hätte Nachfolger Bernd Pischetsrieder ein Problem weniger. Denn der "kleine" Münchner Konzern setzt an, VW auf dem wichtigen US-Markt zu überholen.

<P>Die Zahlen fürs erste Halbjahr ergeben noch einen Vorsprung: Mit 145 958 in den USA ausgelieferten Autos lagen die Wolfsburger 6,5 % vor den Münchnern (137 098), doch vor Jahresfrist lag der Abstand noch bei 38 %. Besonders knapp war er im Juni: 25 808 (VW) zu 24 820 (BMW), die 988 Autos dazwischen sind gerade noch 3,9 %.</P><P>Dabei hat BMW in einem Teilmarkt zugeschlagen, den einst VW für die USA erschlossen hatte. Der Käfer war der erste Kleinwagen, der im Land der Straßenkreuzer Verkaufserfolge feierte. Hier landete BMW mit dem Mini einen Volltreffer: Mit 17 530 Auslieferungen verdrängte der Kleinste im BMW-Konzern den in den USA gebauten X 5 vom konzerninternen Siegertreppchen. Von dem wurden nur 17 215 verkauft. Platz eins nimmt auch in den USA der 3er (58 972 Auslieferungen im ersten Halbjahr) gefolgt vom 5er (23 210) ein.</P><P>Dem Mini haben die Konkurrenten wenig entgegenzusetzen: Weder verkauft Audi in den USA seine 2er-Reihe noch VW die kleinen Polos oder Lupos. Der "New-Beetle", der die Käfer-Nostalgie bediente, ist auf dem absteigenden Ast. Wegen zurückgefahrener Stückzahlen muss VW in Mexiko 2000 Leute entlassen.</P><P>Auf den neuen Golf wie auf den europäischen Märkten kann VW in den USA nicht setzen. Er ist dort bei weitem nicht das bestverkaufte Modell, das ist der Bora, der dort noch Jetta heißt. Doch setzt der Wolfsburger Konzern auf eine andere Klasse: Mit dem geländegängigen Touareg ist er nun nach Mercedes, BMW und Porsche mit einem "Sport Utility Vehicle" (SUV) am US-Markt vertreten.</P><P>Allerdings schläft auch hier die Konkurrenz nicht. Der X3 ist der für den Münchner Konzern im nächstes Jahr das zweite SUV auf dem US-Markt, dem wichtigsten für diese Fahrzeuggattung. Der größere Bruder X5 trübt übrigens die ansonsten makellose Erfolgsbilanz von BMW ein wenig. Die Verkaufszahl von 17 215 im ersten Halbjahr bedeutet einen Rückgang um 20,7 Prozent.</P><P>Audi, der zweite bayerische Hersteller, hofft auf das zweite Halbjahr, nachdem im ersten die Zahl ausgelieferter Fahrzeuge um 2,6 % von auf 41 089 gefallen war.</P><P>Ein Lichtblick war bereits der Juni mit einem Plus von 9,7 % auf 8009 ausgelieferten Autos. Fürs zweite Halbjahr setzen die Ingolstädter auf neue Modelle, so die lange Version des A 8, von dem bereits im Juni 443 Stück verkauft wurden. Auch die sportlichen S 4 und RS 6 sollen neuen Schub bringen.</P><P>Mercedes konnte zulegen, verlor aber trotz des Zuwachses von 2,9 % auf 105 901 Autos in der ersten Hälfte 2003 gegenüber dem Münchner Rivalen weiter am Boden. Ein Trost ist es, dass die US-Tochter Chrysler im Juni um 6 % wachsen konnte (auf 198 926 Autos), während General Motors mit 429 742 Autos nur 1,5 % mehr verkaufte als vor Jahresfrist und Ford mit 311 252 Autos sogar einen Rückgang um 7,7 Prozent einstecken musste.<BR><BR></P>

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