USA: Trotz Konjunktur-Abkühlung werden die Zinsen weiter steigen

- New York - Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich abgekühlt: Rekord-Ölpreise, steigende US-Zinsen, die Irak-Unsicherheit, ständige Angst vor neuen Terroranschlägen, ein starker Rückgang der Wall Street seit Frühjahr und Rekorddefizite in der Handelsbilanz und im US-Haushalt wirken sich als Bremsfaktoren aus. Hinzu kommen die Präsidentschaftswahlen im November.

<P>Das Vertrauen der Amerikaner in die eigene Wirtschaftsentwicklung hat gelitten, und auch sie halten sich deshalb mit ihren Ausgaben eindeutig zurück. Dies ist derzeit der wichtigste Negativfaktor für die US-Konjunktur, da die Konsumentenausgaben zwei Drittel der Wirtschaft repräsentieren.</P><P>Die US-Wirtschaft war im zweiten Quartal 2004 auf Jahresrate hochgerechnet nur noch um drei Prozent gewachsen nach 4,5 Prozent in den ersten drei Monaten 2004. </P><P>Das schlägt sich auch bei der Beschäftigung nieder: Es sind in den USA im Juli 32 000 Stellen geschaffen worden. Die Wirtschaftsweisen hatten vorher ein Plus von 250 000 Stellen erwartet, immerhin das achtfache. Die US-Unternehmen halten sich angesichts der vielen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheitsfaktoren bei Neueinstellungen zurück.</P><P>Dabei laufen die Preise auch noch den Löhnen davon: Die Inflationsrate liegt bei 3,3 Prozent, während Löhne und Gehälter etwa halb so stark zulegen. <BR>Steuergeschenke des US-Präsidenten George Bush und seiner Republikaner, die die Konjunktur auf Trab bringen könnten, erwartet auch keiner mehr.</P><P>Allerdings unterscheidet sich die Sichtweise stark: "Die Wirtschaft ist stark und wird stärker. Wir haben 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosenquote beträgt 5,5 Prozent", verteidigt sich Bush auf jeder Wahlveranstaltung.</P><P>Sein demokratischer Gegenspieler John Kerry betont, dass es momentan 1,1 Millionen weniger Jobs gibt als beim Amtsantritt des Präsidenten. Kerry wirft Bush außerdem vor, er habe die Reichen auf Kosten des Mittelstands massiv bereichert.</P><P>Dabei wirkt die Zinspolitik der US-Notenbank auch noch dämpfend auf die Konjunktur. Sie hat vor sieben Wochen die Zinswende eingeleitet. Die "Fed" (Notenbank) hat die Leitzinsen angesichts der Inflationsbelebung in zwei Schritten auf 1,5 Prozent angehoben. Damit nicht genug: Der nächste Aufschlag dürfte am 21. September folgen. </P><P>Im Spagat zwischen abflauender Konjunktur und steigenden Preisen machen die Währungshüter das ihnen Mögliche: "Alles nicht so schlimm", sagen sie. Sie halten die konjunkturelle Abkühlung für "temporär" und erwarten wieder ein stärkeres Wachstum. Sie dürften die Leitzinsen nach Wall-Street-Schätzungen bis Mitte 2005 auf drei Prozent erhöhen, um dem Preisauftrieb zu begegnen.</P><P>Auch US-Wirtschaftsforscher bleiben optimistisch. Sie gehen im Schnitt von einer wirtschaftlichen Wachstumsrate von 3,8 Prozent (Jahresrate) im dritten und von 4,1 Prozent im Schlussquartal 2004 aus, hat das "Wall Street Journal" berichtet. Die Preise dürften im November um drei Prozent höher liegen als ein Jahr zuvor, und die Wirtschaftsexperten rechnen mit 194 000 neuen Stellen pro Monat bis Jahresende.</P>

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