US-Immobilienpreise: Alarmsignal Nr. 1 für die Weltwirtschaft

- "Platzt die US-Immobilienblase?" Diese Frage ist in Einschätzungen zur Lage der größten Volkswirtschaft der Welt immer häufiger zu hören. Ein Einbruch bei den Preisen für Häuser und Wohnungen könnte zu dramatischen Verwerfungen der Weltwirtschaft führen.

<P>So geschah es in den 80er Jahren in Japan: Die Immobilienpreise stiegen auf immer absurdere Höhen. Banken finanzierten angesichts weiter steigender Preise fast alles. Dann kam der Rückschlag. Die Preise verfielen, Kredite wurden faul. Viele Bauunternehmen und Banken wurden zahlungsunfähig.</P><P>Die Immobilienpreise knickten um bis zu 70 % ein. Auch die Industrie litt. Bis heute hat sich die japanische Wirtschaft noch nicht erholt. Der Nikkei-Index verharrt trotz jüngster Erholung immer bei einem Viertel seiner Höchststände von rund 40 000 Punkten.</P><P>New-York 47 % teurer</P><P>Ähnliches droht den USA: Dort sind die Immobilienpreise seit 1995 im Schnitt um 27 % gestiegen. Dieser Wert wurde an attraktiven Standorten an den Küsten weit übertroffen. In New York stiegen sie um 47 %, in San Francisco um 70 %. Im texanischen Nest Crawford, wo US-Präsident George Bush seine Ranch hat, verdoppelten sie sich binnen eines Jahres. Ein Platzen der Blase ist "sehr wahrscheinlich", warnte bereits im Juli der britische "Economist".</P><P>Konsum auf Pump</P><P>Die konjunkturfördernde Konsumlust der US-Bürger nährt sich aus dieser Quelle: Bei sinkenden Einkommen wachsen die Konsumausgaben - auf Pump. Wegen niedriger Zinsen belasten viele US-Bürger die eigenen vier Wände bis an die mögliche Grenze.</P><P>Wer bis unters Dach verschuldet ist, wird bei steigenden Zinsen (die Konditionen bewegen sich bereits nach oben) seine Kredite oft nicht mehr bedienen können. Das könnte eine Abwärtsspirale aus Notverkäufen, weiter sinkenden Preisen und neuen faulen Krediten nach sich ziehen. Ganz ähnlich wie 2000, als die Aktienblase platzte.</P><P>Mieten laufen hinterher</P><P>Die Auswirkungen sind nach Einschätzung von Experten weit härter als beim AktienCrash. In durchschnittlichen US-Haushalten ist laut "Economist" sechsmal mehr Vermögen in Wohneigentum gebunden als in Aktien. Der Konsum als Konjunktur-Stütze bräche zusammen.</P><P>Auch bei der Gewinnsituation drängt sich ein Vergleich mit der Aktienblase auf. Da standen die gestiegenen Kurse in groteskem Missverhältnis zu den Gewinnen der Unternehmen. Heute laufen die Immobilienpreise den Mieten davon. Käufer achten nicht auf die Rendite, weil sie auf Wertsteigerung spekulieren.</P><P>Risiko für die Welt</P><P>Auch der Internationale Währungsfonds zählt in seinem "World Economic Outlook" dem starken Anstieg der Immobilienpreise in einigen Industrieländern zu den weltwirtschaftlichen Risiken. Die Probleme der USA können das exportabhängige Europa (wie auch den gesamten Rest der Welt) nicht kalt lassen.</P><P>Sorgenkind Irland</P><P>Doch auch in anderer Hinsicht sollten sich die Europäer Gedanken machen. In den stark wachsenden Volkswirtschaften sind die Preise stärker gestiegen als jenseits des Atlantik. In Irland haben sie sich laut Economist-Hauspreis-Index verdreifacht, in Großbritannien und den Niederlanden verdoppelt, in Spanien und Schweden schossen sie um zwei Drittel hoch.</P><P>Besonders die britische Wirtschaft ist gefährdet: Das aktienbasierte Betriebsrentensystem steht nach der Aktienkrise am Rand der Pleite. Gleichzeitig haben fast alle Briten ein Haus. Selbst die Ärmsten bedienen Hypothekenkredite: Fast alle Sozialwohnungen wurden an die Mieter verkauft. Die Wertsteigerung der Immobilien heizte die Kauflust der Armen an. Der britische Durchschnitts-Haushalt hat Schulden über 130 % des Jahreseinkommens.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump geht auf Konfrontationskurs zu Peking
Washington - Kurz nach ihrem Amtsantritt hat die neue US-Regierung klar gemacht, dass sie im Verhältnis zu China keinem Streit aus dem Weg gehen wird:
Trump geht auf Konfrontationskurs zu Peking
EU-Handelsausschuss macht Weg für Ceta frei
Brüssel - Das europäisch-kanadische Handelsabkommen Ceta hat die nächste Hürde genommen. Der zuständige Ausschuss im Europaparlament stimmte am Dienstag für den …
EU-Handelsausschuss macht Weg für Ceta frei
BayernLB-Chef: Europa droht Bankensterben
München - Europa droht nach Einschätzung von BayernLB-Chef Johannes-Jörg Riegler wegen verschärfter Regulierung ein großes Bankensterben.
BayernLB-Chef: Europa droht Bankensterben
Etihad-Chef Hogan geht - Beteiligungen auf dem Prüfstand
Machtwechsel bei Etihad: Konzernchef James Hogan verlässt die arabische Airline. Nun überprüft der Air-Berlin-Großaktionär auch seine Beteiligungen an anderen …
Etihad-Chef Hogan geht - Beteiligungen auf dem Prüfstand

Kommentare