US-Investoren wollen die Kontrolle über Süd-Chemie

- München - Die US-Investmentgesellschaft One Equity Partners greift nach dem bayerischen Süd-Chemie-Konzern. Die private Beteiligungsfirma hat sich die Anteile von drei Großaktionären in Höhe von insgesamt 39 Prozent gesichert. Nun will sie die Mehrheit am Unternehmen erlangen. Ein wichtiger Aktionär kritisierte das Vorgehen der amerikanischen Investoren scharf. Mitarbeiter sind in Sorge um ihre Arbeitsplätze.

<P>One Equity Partners (OEP) will die Süd-Chemie-Anteile der Allianz (19 Prozent), der Bayerischen Landesbank (10 Prozent) und des Lübecker Konzerns Possehl (10 Prozent) übernehmen. Dafür bezahlt die Investorengruppe 162 Millionen Euro oder 35 Euro pro Aktie, wie OEP mitteilte. In der zweiten Juli-Hälfte soll den anderen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot gemacht werden, das ebenfalls bei 35 Euro pro Aktie liegt. "One Equity Partners strebt die Übernahme einer einfachen Mehrheit an der Süd-Chemie an. Das Unternehmen soll börsennotiert bleiben", hieß es in der Mitteilung. Ein Sprecher erklärte, dass es aber auch keine Obergrenze der Beteiligung gebe. "Wenn mehr Anteile angeboten werden, wird man sie nehmen." Sollte OEP insgesamt nicht auf über 50 Prozent der Anteile kommen, kann das Unternehmen vereinbarungsgemäß auch auf die 39 Prozent der drei Großaktionäre verzichten. Diese Konstellation sei aber kaum zu erwarten, erklärte der Sprecher.<BR><BR>Die Beteiligungsgesellschaft, die in den vergangenen Jahren unter anderem die Kieler Werft HDW ge- und wieder verkauft hat, sieht sich als "langfristiger unternehmerischer Partner, der die Süd-Chemie AG dabei unterstützt, mit Stammsitz in Bayern die globalen Positionen weiter auszubauen", wie ihr geschäftsführender Partner Christopher von Hugo sagte. Ein Sprecher betonte, es sei weder eine Verlagerung noch eine Zerschlagung der Süd-Chemie geplant. Auch Stellenabbau sei "kein Teil des Konzepts". Das Unternehmen sei bereits stark. "Aber um längerfristig im Weltmarkt wachsen zu können, braucht man strategische Partner."<BR><BR>Unter den 5100 Mitarbeitern des Konzerns - etwa 1200 davon in Oberbayern - hat die Nachricht dennoch Nervosität ausgelöst. Er sehe die Entwicklung "mit größter Besorgnis", sagte der Betriebsratsvorsitzende Peter Simon. "Wir haben Kostendruck." Insbesondere das größte deutsche Süd-Chemie-Werk in Moosburg, in dem Bleicherden hergestellt werden, spüre die harte Konkurrenz im Markt. Hier sei die Zahl der Stellen im Lauf der vergangenen fünf Jahre gesunken.<BR><BR>Insgesamt steht der Konzern mit Sitz in München gut da. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auch durch einen Zukauf um 13 Prozent auf 862 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern erhöhte sich um 14 Prozent auf 51 Millionen Euro. 2007 soll beim Umsatz die Milliardengrenze geknackt werden.<BR>Mitarbeiter, Geschäftsführung und die anderen Aktionäre wurden von den OEP-Plänen überrascht. "Was OEP letzten Endes vorhat, können wir nicht sagen", erklärte ein Süd-Chemie-Sprecher. "Mit uns haben die noch nicht gesprochen." Ebenso erging es den anderen Aktionären. Neben den drei Anteilseignern, die ihre Aktien abgeben wollen, gibt es einen Streubesitz von 32 Prozent sowie weitere Großaktionäre: Die Grazer Dr. Dolf Stockhausen Beteiligungsgesellschaft (10,19 Prozent), die Münchner Messerschmitt Stiftung (9,29) und die Münchner Investoren Rosemarie Schweighart (5,7) sowie Wilhelm Winterstein (5,01). <BR><BR>Der Vorstandsvorsitzende der Messerschmitt Stiftung, Hans Heinrich Srbik, kritisierte, dass die Mehrzahl der Aktionäre nicht von One Equity Partners informiert wurde. Er deutete an, die Anteile nicht zu verkaufen. "So wie das hier gespielt wurde, trennt man sich nicht nach 20 Jahren von einer Beteiligung", sagte er dieser Zeitung. Zudem handele es sich um "alles andere als ein attraktives Angebot". Srbik besitzt auch persönlich Anteile in der Größenordnung von knapp einem Prozent an der Süd-Chemie.<BR><BR>Der Preis von 35 Euro liegt sieben Prozent über dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate, aber unter der letzten Notierung bei 36,25 Euro. Allianz und BayernLB hatten mehrfach betont, sich von Beteiligungen trennen zu wollen. OEP gebe Süd-Chemie eine langfristige Perspektive, hieß es aus beiden Häusern. Die Allianz würde Finanzkreisen zufolge durch den Verkauf einen Buchgewinn in zweistelliger Millionenhöhe erzielen.</P><P> </P>

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