US-Regierung entzieht Firma aus Bayern den Pentagon-Anstrich

- Augsburg - Das Pentagon hat Farbe bekannt: Das amerikanische Verteidigungsministerium lässt seine Wände jetzt doch von einem heimischen Unternehmen streichen. Peter Neri, Geschäftsführer des Augsburger Unternehmens Keimfarben, wurde der 1,1 Millionen Dollar schwere Auftrag nach einer zweiten Ausschreibung entzogen, sagte er unserer Zeitung.

<P>"Es deutet alles darauf hin, dass das eine von Anfang an gemachte Entscheidung war", sagt der Keimfarben-Chef. Dennoch warnt er davor, nach dem deutsch-amerikanischen Zerwürfnis um den Irak-Krieg von einer pauschalen Ablehnung deutscher Firmen auszugehen.</P><P>"Das war nicht Amerika, sondern das Pentagon", sagt Neri und erzählt, dass offenbar nicht einmal das Generalunternehmen vor Ort informiert war. Während man an allen anderen Baustellen in den USA keinerlei Probleme habe, scheine das Verteidigungsministerium "einfach alles selber zu regeln".</P><P>"Am Preis lag es nicht."<BR>Keimfarben-Chef Peter Neri</P><P>Dabei enttäuscht den Keimfarben-Chef, der mit dem Anstrich des Weißen Hauses weiterhin einen sehr prestigeträchtigen Großauftrag in Amerika inne hat, vor allem die Informationspolitik des Pentagons. "Erst vor zwei Tagen haben mir der Chefingenieur wie auch das Generalunternehmen bestätigt, dass es noch keine Entscheidung gibt." Da sei es schon verwunderlich, dass man jetzt von der endgültigen Auftragsvergabe spricht, obwohl die Teilnehmer noch gar nicht informiert wurden.</P><P>Neri glaubt, dass die Neuausschreibung eigentlich nur stattfand, "um das Gesicht zu wahren", sagt er im Hinblick auf auf den Vorstoß des US-Abgeordneten Steve LaTourette. Dieser hatte neben einem billigeren Angebot aus den USA die deutsche Haltung gegenüber dem Irak-Krieg ins Feld geführt, um eine zweite Ausschreibung zu erwirken. "Uns war relativ klar, dass wir diese nicht gewinnen dürfen."</P><P>Der 1,1 Millionen Dollar schwere Auftrag ging an die Firma ChemMasters aus Ohio, die ein billigeres Angebot eingereicht haben soll. "Wir wissen aber aus relativ sicheren Quellen, dass wir die Preisgünstigsten waren", kontert Neri.</P><P>Erst bei der zweiten Ausschreibung sei die amerikanische Konkurrenz mit einer Farbe an den Start gegangen, die den rein auf anorganischer Basis hergestellten Keimfarben entsprechen soll. Im Hinblick auf deren Zusammensetzung fehlt Neri allerdings der Glaube daran. "Die wird bald wieder am Boden liegen", prognostiziert er mit Blick auf deren Bindemittel. "Da musste wohl auf die Schnelle eine Farbe hergestellt werden, die mithalten soll."</P><P>Trotz der Auftragseinbuße fühlt sich Neri auf dem amerikanischen Markt wohl und kündigt für das kommende Jahr sogar die Gründung einer Tochtergesellschaft in Übersee an. Das Weiße Haus darf er auch weiterhin streichen, erklärt der Firmenchef. "Im Moment ist ja George Bush im Urlaub, da wird wieder mit Volldampf gearbeitet", flaxt er.</P>

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