Väter verzichten auf hunderte Euro

München - Das vor einem Jahr eingeführte Elterngeld ist nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter attraktiv. Doch nur zehn Prozent der Männer haben den staatlichen Zuschuss bisher beantragt. Der Rest verschenkt hunderte Euro und ein paar schöne Wochen mit Kind.

"Die Papa-Monate sind eine super Erfindung, ich kann nur jedem empfehlen, diese Chance zu nutzen", sagt Oliver Müller (Name geändert), der im vergangenen Juni 2007 Vater von Zwillingen wurde. Er nutzte das neue Elterngeld, um eine Pause in seinem Job als Reklamationssachbearbeiter einzulegen. Im August und September kümmerte er sich stattdessen zusammen mit seiner Frau um die beiden Kinder. "Das war zwar stressig, aber es war eine ganz wichtige positive Erfahrung."

Väter können sich allenfalls Zeit lassen, bis ihr Kind seinen ersten Geburtstag feiert. Spätestens dann müssen sie die für sie reservierten zwei Monate (siehe Kasten) in Anspruch nehmen, andernfalls verfallen sie. Das ist bei den meisten der Fall: Seit Anfang 2007 haben nur 37 000 Männer, also zehn Prozent der Berechtigten, Elterngeld beansprucht. Ihnen entgeht damit die Chance, sich bei teilweisem Lohnausgleich (bis zu 1800 Euro monatlich) für zwei Monate oder länger um ihre Familie zu kümmern.

Das kann beispielsweise so aussehen: Ein Vater nimmt Elternzeit in den Lebensmonaten elf und zwölf seines Kindes ­ und die Familie fährt gemeinsam für längere Zeit in Urlaub. Jeder Elternteil kann seine Elternzeit aber auch splitten. Ein Vater kann also einen Monat Auszeit unmittelbar nach der Geburt des Kindes und eine weitere Auszeit in dessen zwölften Lebensmonat in Anspruch nehmen. Maximal muss sich der Arbeitgeber auf zwei Elterngeld-Zeitabschnitte pro Elternteil einlassen. Einvernehmlich sind aber natürlich auch noch mehrere Abschnitte möglich.

Wer in Elternzeit gehen und deshalb zeitweise aus dem Job aussteigen oder kürzer arbeiten möchte (mindestens 15, maximal 30 Stunden pro Woche), muss dies seinem Chef rechtzeitig mitteilen ­ spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Ausstieg. Die Mitteilung muss schriftlich erfolgen (am besten per Einschreiben). Nein sagen darf der Arbeitgeber hierzu nicht.

Wer in Elternzeit geht, genießt einen besonderen Kündigungsschutz. Dieser setzt allerdings erst acht Wochen vor dem Beginn der Elternzeit ein. Tipp: Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz als gefährdet ansehen, sollten deshalb die Elternzeit erst acht Wochen vor deren Beginn anmelden.

Auch unverheiratete Väter bekommen Elterngeld. Das Elterngeldgesetz sieht einen Anspruch auf die Leistung für alle Väter vor, die mit dem Kind in einem Haushalt leben und die Vaterschaft amtlich anerkannt haben. "Heiraten muss dafür niemand", sagt Eva Gerz, Fachanwältin für Familienrecht aus Brühl bei Köln. Sie rät: "Unverheiratete Väter sollten zum örtlichen Jugend- oder Standesamt gehen und dort ihre Vaterschaft anerkennen lassen." Die Anerkennung der Vaterschaft kann übrigens auch schon vor der Geburt des Kindes erfolgen. Dann taucht der Vater bereits namentlich in der Geburtsurkunde des Kindes auf. Wichtig: Die Vaterschaft wird nur dann anerkannt, wenn die Mutter des Kindes zustimmt. Vater und Mutter müssen persönlich bei der Anerkennung und der Zustimmung zur Vaterschaft anwesend sein.

Mehr Informationen zum Thema auf sechs DIN-A4-Seiten gibt es per Fax-Abruf unter 09001 / 25 26 65 58 40. Das Gerät muss dazu auf "Polling" oder "Sendeabruf" eingestellt werden. Wer kein Fax besitzt, kann die Informationen per Post ordern. Dazu müssen Interessierte einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,44 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Elterngeld für Väter" an diese Adresse senden: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf.

Beihilfe in Kürze

Seit Anfang 2007 haben die Eltern eines Neugeborenen Anspruch auf Elterngeld. Es kann in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes bezogen werden, wenn sich ein Elternteil der Erziehung widmet und deswegen nicht voll erwerbstätig ist. Vater oder Mutter können die Beihilfe für maximal zwölf Monate beziehen. Die zwei zusätzlichen Monate stehen dem jeweils anderen Elternteil zu. Nur Alleinerziehende erhalten den Zuschuss über 14 Monate ausgezahlt.

Bislang haben etwa 340 000 Mütter das Elterngeld für ein Jahr beantragt. Von den Vätern haben das an die 8000 getan. Nur knapp 30 000 Männer haben die Zwei-Monats-Option gewählt, das heißt, viele machen von ihrem Recht keinen Gebrauch.

Die Höhe des Elterngelds bemisst sich am durchschnittlichen Nettogehalt der letzten zwölf Monate. Maximal werden 1800 Euro ausgezahlt, Erwerbslose bekommen 300 Euro. Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich das Elterngeld um 300 Euro je Kind. Familien mit mehreren Kindern erhalten zusätzlich einen Bonus von zehn Prozent oder mindestens 75 Euro.

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