Zahlreiche Händler erweitern ihr Sortiment mit dem Angebot von Corona-Selbsttests
+
Zahlreiche Händler erweitern ihr Sortiment mit dem Angebot von Corona-Selbsttests.

Umstrittene Aufträge

Corona als Geschäftsmodell: Bekannte Modefirma vertreibt nächstes medizinisches Produkt

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
    schließen

Die Modefirma van Laack nimmt das nächste medizinische Produkt in das Sortiment auf. Nach dem Vertrieb von Stoffmasken und Kitteln will das Unternehmen jetzt Selbsttests verkaufen.

Mönchengladbach - Modehersteller van Laack erfindet sich in Zeiten der Corona-Krise neu. Nachdem das Geschäft mit den Stoffmasken aufgrund der Verordnung von FFP2-Masken zum Erliegen gekommen ist, widmet sich das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen nun auch dem Vertrieb von Selbsttests.

Damit fokussiert sich die Kette auf das nächste medizinische Produkt, das den Angaben nach sowohl selbst als auch durch Handelspartner vertrieben wird. Hergestellt werden die Corona-Selbsttests von Lepu Medical in China, erläuterte Firmenchef Christian von Daniels. Bis Ende März plant van Laack den Import von zehn Millionen Selbsttest-Präparaten, im Monat darauf strebt das Unternehmen einen Absatz von 20 Millionen Stück an.

Corona-Selbsttests statt Mode: van Laack weitet medizinisches Sortiment aus

Die Vorzeichen für das neue Projekt könnten besser sein: Van Laack hatte zuletzt wegen umstrittener Aufträge durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen für Aufsehen gesorgt. Außerdem schürte eine Qualitätsprüfung des TÜV Rheinland Zweifel an Schutzkitteln der Modefirma van Laack, die wie die Stoffmasken durch Vermittlungstätigkeiten durch Johannes Laschet, Sohn von NRW-Ministerpräsident Armin, zustande gekommen sein könnten. Dieser ist nämlich als Modeblogger für das Unternehmen tätig.

Darüber hinaus förderte eine Untersuchung im TÜV-Labor Bedenken gegen den Einsatz der Schutzausrüstung in der medizinischen Versorgung von Corona-Patienten. Demnach würden den verkauften Schutzkitteln die nötige Reiß- und Nahtfestigkeit fehlen, wie die WAZ erläuterte. Außerdem sei keine ausreichende Dichtigkeit gegenüber Flüssigkeiten gegeben.

Corona-Selbsttests: Nachfrage riesig - Produkt in Österreich massenhaft im Einsatz

Dass sich van Laack nun im Geschäftsfeld der Corona-Selbsttests betätigt, lässt vermuten, dass die in Deutschland noch vorhandenen Engpässe bald vorbei sind. Die Zusammenarbeit erfolgt neuerlich mit dem Handelsunternehmen Kingline, das auch am Vertrieb der monierten Schutzkittel beteiligt war.

Die Bewilligung des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für den Verkauf der Selbsttests, die sich von Corona-Schnelltests in einem wesentlichen Punkt unterscheiden, steht noch aus. Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung sei jedoch gering: Firmenchef von Daniels verweist darauf, dass der Selbsttest von Lepu Medical im Nachbarland Österreich bereits massenhaft eingesetzt wird und die Wirksamkeit des Präparats laut Paul-Ehrlich-Institut unstrittig sei. Worauf Sie bei der Nutzung eines Corona-Tests für Zuhause achten sollten, erklären wir hier. (PF)

Auch interessant

Kommentare