Vatikan und Stempelglanz: Wann Euro-Münzen wertvoll sind

- Seit der Einführung des Euro-Bargelds am 1. Januar 2002 haben viele Deutsche ein neues Hobby gefunden: Münzen sammeln. Bis zu zwei Millionen Bundesbürger jagen den Geldstücken der Einheitswährung mittlerweile mehr oder weniger ambitioniert hinterher.

 Und Fachleute erwarten, dass die Euro-Einführung in Slowenien ab 2007 die Leidenschaft weiter beflügelt: "Das wird interessant", sagt Wolfgang Erzinger vom "Deutschen Münzen Magazin". Unsere Zeitung zeigt Einsteigern, was sie wissen müssen:

Welche Euros sind im Umlauf?

Euros und Cents gibt es als Kurs- und Sondermünzen, die von den zwölf Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion in Eigenregie ausgegeben werden. Sondermünzen werden als Sammlerstücke in eher kleinen Auflagen mit hohen Nennwerten von etwa 100 Euro angefertigt (Foto unten rechts). Kursmünzen hingegen sind das Münzgeld, mit dem die Bürger im Alltag zahlen. Die Zentralbanken lassen sie mit den acht üblichen Nennwerten von einem Cent bis zwei Euro in meist hoher Stückzahl prägen. Dabei sind die Motive auf den Münzen stets gleich wie etwa der Bundesadler auf dem deutschen Ein-Euro-Stück. Allerdings darf seit 2004 jedes Land einmal im Jahr eine Gedenkmünze mit einem Sondermotiv herausgeben. Deutschland hat dies zum Jahresbeginn erstmals getan und das Zwei-Euro-Stück mit dem Holstentor in Lübeck verziert.

Welche Münzen sind gefragt?

Ein 50-Cent-Stück, das bis zu 20 Euro wert ist, eine Zwei-Euro-Münze für 75 Euro - im aktuellen "Michel Eurokursmünzen-Katalog" finden sich mehrere Geldstücke, deren (Händlerverkaufs-)Preis mit einem Vielfachen des Nennwerts angegeben wird. Vor allem zwei Faktoren treiben die Wertentwicklung:

Geringe Auflage: "Da wo es nicht in die Hunderttausende geht, ist eine Münze mit Sicherheit wertbeständig", sagt der Chefredakteur des Katalogs, Jochen Stenzke. Das gilt besonders für die Mini-Staaten Monaco, San Marino und Vatikan, die selber Euros und Cents herausgeben dürfen. Sie lassen jeweils nur einige Zehntausende Geldstücke herstellen, die durch die Bank hohe Katalogwerte aufweisen. Die 2-Euro-Gedenkmünze des Vatikans vom Weltjugendtag 2005 steht beispielsweise mit 160 Euro im Michel-Katalog. Die Holstentor-Münze hingegen wird nur mit drei Euro taxiert - es gibt sie 30-Millionen-fach.

Guter Zustand: Ein Neuwagen kostet mehr als ein Gebrauchter - das gilt auch für Münzen. "Einmal im Geldbeutel gehabt, verlieren sie deutlich an Wert", erklärt Fachmann Stenzke. Im Katalog schneiden deswegen Münzen im ungebrauchten Zustand "stg", kurz für Stempelglanz, am besten ab.

Wo kann man Münzen kaufen?

An seltene Euro- und Cent-Münzen heranzukommen, ist nicht einfach. Der sicherste, aber nicht gerade billigste Weg führt über Münzhändler. Adressen finden sich auf der Internetseite des Münzfachhandelsverbands unter www.muenzenverband.de. Die Händler verkaufen die Münzen einzeln oder als hübsch verpackte Sätze mit je acht Münzen. Grundsätzlich können sie auch direkt bei den Prägeanstalten geordert werden. Weil die Nachfrage aber, beispielsweise bei den Vatikan-Auflagen, sehr hoch ist, gehen Private oft leer aus.

Sind Euros und Cents eine gute Geldanlage?

Auch wenn die Katalogpreise mancher Euro-Münze in den vergangenen Jahren nahezu explodiert sind, sollten sich Sammler keine kurzfristige Traumrendite erwarten. "Wer spekulieren will, sollte lieber Aktien kaufen", sagt der Münchner Münzhändler Erich Modes. Seiner Ansicht nach sollte die Sammlerleidenschaft vor dem Profitgedanken stehen. Grundsätzlich gelten die Euros aber als eine relativ stabile Anlage: "Wertvolle Stücke werden noch wertvoller", sagt Münzen-Magazin-Chef Wolfgang Erzinger. "Massenware bleibt Massenware."

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