„Zerstörerischer Preiskampf“

Veolia schreibt Brandbrief an Dobrindt

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München - Ein Brandbrief rüttelt die Bahnbranche auf. Veolia Verkehr, nach der Deutschen Bahn der zweite große Mitspieler auf der Schiene, redet dem Bundesverkehrsminister ins Gewissen. Und drängt auf Einführung einer Maut für Fernbusse.

Es klingt wie ein Hilfeschrei: Christian Schreyer, erst seit kurzem Chef des französisch dominierten Konzerns Veolia Verkehr, fordert in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) „faire Bedingungen für den Schienenfernverkehr in Deutschland und ein Ende der Benachteiligung der Schiene“. „Der erdrückenden Konkurrenz durch parallel verkehrende Fernbuslinien, welche keine Maut bezahlen müssen und zugleich einen ruinösen Wettbewerb führen, können wir auf Dauer im Schienenverkehr nichts entgegensetzen“, heißt es in dem Schreiben des Veolia-Chefs. Veolia ist auch in Oberbayern bekannt - hier fahren die Tochterunternehmen Bayerische Oberlandbahn und Meridian.

Schreyer führt in seinem Brief den Fernverkehrszug von InterConnex auf. InterConnex ist gleichfalls eine Tochter von Veolia Verkehr. Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember wird die InterConnex-Verbindung Leipzig-Berlin-Rostock/Warnemünde eingestellt. Als Grund nennt Schreyer den ruinösen Preiskampf mit den Fernbussen an. Zwischen Leipzig und Berlin verkehrten fast stündlich Fernbusse mit Ticketpreisen von sieben bis neun Euro. Mit diesem „zerstörerischen Preiskampf“ könne Veolia nicht mithalten.

Ähnlich hatte es erst kürzlich Bahn-Chef Rüdiger Grube gegenüber dem "Münchner Merkur" formuliert: „Ein Fernbus zahlt keine Maut“, schimpfte Grube. „Wir zahlen für einen Kilometer ICE-Verkehr sieben Euro Trassengebühr.“

Die Chancen für eine Busmaut stehen indes langfristig gar nicht so schlecht, sagt Martin Burkert, Chef der bayerischen SPD-Landesgruppe im Bundestag. „Es kann nicht sein, dass wir alles bemauten, aber die Fernbusse nicht“, sagt Burkert. Die SPD sei für die Busmaut. Ein Betrag von 0,4 Cent je Kilometer und Person beispielsweise verteure eine Fahrt von Nürnberg nach Berlin nur um zwei Euro je Ticket, rechnet Burkert vor. Doch im Berliner Koalitionsvertrag sei fest vereinbart, das geltende Personenförderungsgesetz erst zum Ende der Legislaturperiode auf den Prüfstand zu stellen. Das wäre 2016/17.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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