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In den Tan-Generator muss man zunächst die Bankkarte schieben, das Gerät dann an den flackernden Code auf dem Bildschirm halten. Der Generator zeigt daraufhin eine Sicherheitsnummer an, die nur für diese Überweisung gilt

So verändert sich das Online-Banking

München - Die meisten Banken und Sparkassen ändern ihr Sicherheitsverfahren beim Online-Banking. Die Papierlisten mit den Tan genannten Sicherheitsnummern werden abgeschafft. Wir erklären, wie die neuen Verfahren funktionieren.

Wer seine Bankgeschäfte über das Internet abwickelt, muss sich bald umstellen. Viele Banken wollen die Papierlisten mit den Sicherheitsnummern - sogenannten Tans - abschaffen (wir berichteten). Bisher musste man neben der persönlichen Identifikationsnummer für jede Überweisung auch noch eine Transaktionsnummer eintippen. Die Banken schickten ihren Kunden meist Listen mit 100 solcher Tans.

Doch dieses Verfahren ist vielen Banken inzwischen zu unsicher. Die Postbank gibt seit dem 18. Januar schon keine neuen Tan-Listen mehr heraus, die Sparkassen wollen einen „fließenden Übergang“ zu alternativen Sicherheitsverfahren vollziehen.

Warum wird das Verfahren geändert?

Die Abschaffung der Papierlisten ist der neuste Schritt im Wettrennen zwischen Banken und Betrügern. Denn Kriminelle versuchen immer häufiger, Überweisungen von nichtsahnenden Bankkunden auf eigene Konten umzuleiten. Zunächst hatten die Banken versucht, dem Problem damit zu begegnen, dass nur noch eine bestimmte Sicherheitsnummer auf der Liste für genau eine Überweisung gültig ist.

Doch auch dieses Verfahren können die Betrüger inzwischen knacken. Sie installieren unbemerkt Spionageprogramme, sogenannte Trojaner, auf dem Computer der Bankkunden. Mit dieser Software können sie dann die Eingaben des Bankkunden so verändern, dass das Geld auf ihrem eigenen Konto landet. Für den Betrogenen sieht es derweil so aus, als würde er sein Geld auf das richtige Konto überwiesen, deshalb tippt er arglos die Tan ein.

Was sind die Alternativen?

Um dieses Problem zu beheben, setzen die Banken nun auf Verfahren, für die der Kunde nicht mehr nur einen Computer braucht, sondern noch ein zusätzliches Gerät - entweder ein Handy oder ein sogenannter Tan-Generator, Darauf bekommt der Kunde erst dann eine Sicherheitsnummer für seine Überweisung zugewiesen, wenn er den Betrag und die Kontonummer des Empfängers auf diesem zweiten Gerät noch einmal überprüft hat.

Der Gedanke dahinter: Die Banken hoffen, dass es fast ausgeschlossen ist, dass sowohl der Computer als auch das zweite Gerät von einem Spionageprogramm befallen sind. So würde der Kunde vor der Eingabe der Tan immer merken, ob seine Überweisung von einem Betrüger verändert wurde. Dann könnte er den Vorgang abbrechen.

Wie bekommt man die Tan aufs Handy?

Das sogenannte mTan- oder Mobile-Tan-Verfahren wird bereits von einigen Banken angeboten. Die Sparkassen prüfen gerade, ob sie es einführen. Dabei bekommt der Kunde für jede Überweisung eine neue Tan aufs Handy geschickt. Zunächst muss man sich bei der Bank für dieses Verfahren mit seiner Handynummer anmelden. Damit Betrüger nicht einfach ihre Handynummer angeben können, muss man die Nummer mit einem Code, den man entweder in der Filiale oder per Post bekommt, freischalten.

Ist die Mobilnummer aktiviert, füllt man wie bisher seine Überweisung am Computerbildschirm aus, zum Schluss fordert man per Klick eine SMS mit einer nur für diese Überweisung gültigen Tan an. In der Kurznachricht stehen dann noch einmal der Betrag und die Kontonummer, für die die Sicherheitsnummer gültig ist. Stimmt alles, kann der Kunde die Tan in den Computer eingeben und die Überweisung abschließen.

Unter Fachleuten gilt dieses Verfahren zwar als sicherer als die Papierlisten. Weil aber auch Handys von Spionagesoftware befallen werden können, raten Experten, auf einen sogenannten Tan-Generator umzusteigen.

Wie funktioniert der Tan-Generator?

Der Tan-Generator ist ein kleines Gerät, das man bei der eigenen Bank kaufen muss. Es kostet in der Regel zwischen 10 und 15 Euro. Auch bei diesem „chipTan“ genannten Verfahren füllt man wie gewohnt die Überweisung am Computerbildschirm aus. Am Ende des Vorgangs erzeugt der Rechner auf dem Bildschirm einen flackernden Code. Nun kommt der Tan-Generator zum Einsatz: Man muss die eigene Bankkarte hineinschieben und den Generator an den Code auf dem Bildschirm halten (siehe Bild). Das Gerät zeigt ebenfalls noch einmal Kontonummer und Betrag an. Wenn alles stimmt, bestätigt der Kunde die Daten mit einem Tastendruck und bekommt eine Tan, die er in den Computer eingibt. Das Verfahren gilt als besonders sicher, weil der Tan-Generator keine Netzverbindung hat, über die Spionagesoftware auf das Gerät gelangen könnte.

Was muss man noch beachten?

Für Betrugsfälle beim Online-Banking haftet in der Regel die Bank. Allerdings muss man als Nutzer des Online-Banking immer eine aktuelle Anti-Viren-Software auf dem Computer haben, um im Zweifel nicht auf dem Schaden sitzen zu bleiben.

Von Philipp Vetter

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