Verbraucher blicken pessimistisch in die Zukunft

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Nürnberg (dpa) - Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im August weiter eingetrübt und ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken.

Viele Verbraucher zögerten weiter mit größeren Anschaffungen, nur wenige rechneten mit einer raschen Konjunkturbelebung, berichtete das Marktforschungsunternehmen GfK in seiner am Dienstag veröffentlichten Konsumklimastudie. Auch die deutlich gesunkenen Rohölpreise hätten die Verbraucherstimmung nicht merklich aufhellen können. Allerdings beurteilten die Haushalte ihre Einkommenssituation nicht mehr ganz so pessimistisch wie in den Vormonaten.

In der Folge sank die GfK-Prognose für das Konsumklima im September auf 1,5 Punkte - nach 1,9 im August. Der Wert hatte zuletzt im Sommer 2003 auf einem so niedrigen Niveau gelegen. "Eingetrübte Konjunkturaussichten und die Erwartung zusätzlicher Preiserhöhungen belasten im August weiterhin die Stimmung der Verbraucher", betonte die GfK. Auch habe das im zweiten Quartal verzeichnete leicht negative Wirtschaftswachstum zu einem zunehmenden Konjunkturpessimismus geführt.

Die eingetrübte Konsumstimmung wird nach Einschätzung von GfK- Konsumforscher Rolf Bürkl aller Voraussicht nach auch auf das Weihnachtsgeschäft durchschlagen. Prognosen seien zwar nicht einfach. "Aber wenn man sich die finanziellen Möglichkeiten der Haushalte anschaut, dann wird das Weihnachtsgeschäft wahrscheinlich nicht sehr berauschend", sagte Bürkl in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Bürkl rechnet bis weit in den Herbst mit einer weiteren Abkühlung des Konsumklimas. "Wir werden auch in den kommenden ein bis zwei Monaten keinen Konsumrausch erleben", schätzt der Konsumforscher. Bis zum Jahresende hält er jedoch eine Stabilisierung der Verbraucherstimmung für möglich. In gewissem Umfang dürften dazu auch die sinkenden Lebensmittel- und Mineralöl-Preise beitragen. "Zusammenfassend kann man vielleicht sagen: Der große Druck bei den Preisen ist raus. Es ist aber noch keine richtige Entspannung zu sehen."

Vor allem mit der Nebenkostenabrechnung komme für viele Mieter gegen Jahresende eine unangenehme Überraschung zu. Auch hätten viele Gasversorger für Herbst weitere Preiserhöhungen angekündigt. Auf jeden Fall hätten die Preisanstiege in den vergangenen Monaten die zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelten Tariferhöhungen aufgezehrt. Dies alles seien keine günstigen Faktoren für das Konsumklima.

Unterdessen macht sich nach GfK-Erkenntnissen unter den Verbrauchern zunehmend Konjunkturpessimismus breit. So ist der entsprechende Indikator im August auf einen Wert von minus 20 Punkte gerutscht; dies sind 13,8 Punkte weniger als im Juli. Dazu hat nach Einschätzung der GfK auch das leichte Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal beigetragen - das erste seit rund vier Jahren. Auch spiele die Finanzmarktkrise weiter eine Rolle, die noch nicht überwunden scheine.

Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen befinde sich weiter auf Talfahrt, berichten die GfK-Marktforscher. Der Indikator für die Anschaffungsneigung habe im August 1,7 Zähler eingebüßt und liege nun bei minus 27,9 Punkten - und damit so niedrig wie zuletzt vor drei Jahren. Wegen der Inflation nähmen die Einkommen der Bürger kaum zu. Lediglich die Einkommenserwartung erholte sich als einziger der drei Konsumklima-prägenden Faktoren leicht; er legte um 3,2 Zähler auf minus 16,8 Punkten zu. Im langfristigen Vergleich bewege sich der Indikator aber auf deutlich unterdurchschnittlichen Niveau. Für die Ermittlung der Konsumklimastudie befragt die GfK monatlich rund 2000 Verbraucher.

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