Verbraucher müssen mit höheren Milchpreisen rechnen

Einzelhandel: - Berlin/Bonn - Erstmals seit mehreren Jahren wird die Milch in den Supermarktregalen bald wohl spürbar teurer werden. "Wir müssen uns auf höhere Milchpreise voraussichtlich ab Juni einstellen."

Das sagte der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Die Verbraucher würden dies wohl bei allen Milchprodukten spüren. Die Molkereien setzten in Verhandlungen mit großen Discountern nach Angaben des Bauernverbands höhere Milchpreise von zum Teil mehr als 15 Prozent durch. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler REWE prüft bereits Preiserhöhungen.

Die Molkereien setzten nach Angaben der Milchindustrie höhere Abgabepreise zum Beispiel beim führenden deutschen Discounter Aldi durch. "Wir wissen, dass unsere Molkereien in der Tat einen größeren Abschluss getätigt haben", sagte der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Michael Brandl, der dpa. "Das ist ein Durchbruch." Zum Abschluss lägen ihm keine Zahlen vor. Der Vertrag gelte nur für wenige Milcherzeugnisse wie Trinkmilch. Davon gehe aber eine Signalwirkung im Lebensmittelhandel aus, so dass auch bei anderen Unternehmen und bei anderen Milchprodukten wie Käse höhere Preise zu erwarten seien. Aldi Nord lehnte eine Stellungnahme ab, Aldi Süd wollte sich zunächst nicht äußern.

REWE prüft Preiserhöhungen bei Milchprodukten. "Die Nachfrage übersteigt zur Zeit das Angebot", sagte ein Unternehmenssprecher. In Asien, Australien und Neuseeland sei die Nachfrage nach Milchpulver durch Klimafolgen stark gestiegen. Ob und in welchen Umfang Preissteigerungen an Verbraucher weitergegeben werden müssten, werde sich in der nächsten Zeit zeigen. Mit der höheren Nachfrage und möglichen Preissteigerungen geht für die deutsche Milchindustrie nach Verbandsangaben eine lange Durststrecke zu Ende. "In den letzten fünf Jahren haben wir 15 Prozent gegenüber dem deutschen Lebensmittelhandel verloren", sagte Brandl.

Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) zeigte Verständnis für den Kampf der Milchbauern nach höheren Preisen. "Innerhalb der deutschen Landwirtschaft ist das Thema Milch tatsächlich das größte Problem", sagte er der Mainzer "Allgemeinen Zeitung". Mehr als 20 000 Milchbauern hatten in der vergangenen Woche bundesweit für höhere Preise demonstriert.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter begrüßte die höheren Abgabepreise. "Es ist natürlich positiv, dass Preiserhöhungen durchgesetzt wurden", sagte der Vorsitzende Romuald Schaber in Freising. Die Bauern müssten Kosten deckende Preise erhalten, das bedeute derzeit mindestens 40 Cent pro Kilogramm Milch anstatt der bisher bezahlten 27 Cent. Es bleibe abzuwarten, wie viel davon bei den Bauern ankomme. "Das allein ist entscheidend."

Die Discounter, die über einen Marktanteil von insgesamt gut 40 Prozent im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel verfügen, gelten als wichtiger Signalgeber bei der Preisentwicklung in der Branche. Die Margen im Lebensmittel-Einzelhandel sind sehr niedrig.

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