Verbraucher müssen sich auf höhere Lebensmittelpreise einstellen

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Berlin (dpa) - Es werde in Deutschland 2008 "moderate" Anhebungen von zwei bis drei Prozent bei den Lebensmittelpreise geben, kündigte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BDE), Jürgen Abraham, am Mittwoch in Berlin zwei Tage vor Beginn der Grünen Woche an.

"Die Branche ist am Ende der Rationalisierungsmaßnahmen angekommen. Es sind keine Einsparungen mehr möglich." Gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie und für Verpackungen könnten nicht mehr durch Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden. Wegen des Drucks auf die Herstellerpreise aufgrund der Konzentration im Lebensmittelhandel seien keine "ungerechtfertigten Preisaufschläge" zu erwarten, meint Abraham.

Nach einem guten Jahr 2007 erwartet die Ernährungsbranche in diesem Jahr ein schwächeres Wachstum. Im Vorjahr sei der Umsatz real um 2,3 Prozent auf 147,4 Milliarden Euro gestiegen. Im Inland habe es ein Plus von 4,7 Prozent auf 111,1 Milliarden Euro gegeben, der Export habe um 13,1 Prozent auf 36,3 Milliarden Euro zugelegt. Für 2008 sei im Export ein Plus von zehn Prozent und im Inland von einem Prozent möglich. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner meinte: "Lebensmittel werden auch 2008 keine Inflationstreiber sein." Allerdings seien die Folgen der Klimaerwärmung auf die Preise und die Ernten derzeit nur schwer abzuschätzen.

Thema auf der weltgrößten Agrarschau dürfte neben Fragen der EU- Agrarpolitik und der Gentechnik auch die Klimaproblematik sein. Die Grünen im Bundestag forderten von den Bauern einen größeren Beitrag zum Klimaschutz. "Die Landwirtschaft ist das große schwarze Loch des Klimaschutzes", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Problem seien vor allem Stickstoffdünger und Fleischproduktion, die einen Anteil von rund 80 Prozent an den Agraremissionen hätten.

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen können Land- und Ernährungswirtschaft mehr für den Klimaschutz tun. Was heute gegessen und produziert werde, entscheide über das Klima von morgen, meinte Vorstand Gerd Billen. Förder- und Anreizprogramme sollten auf den Klimaschutz hin überprüft werden. Die FDP- Bundestagsfraktion hält den Klimaschutz nur durch effiziente Landwirtschaft für möglich. In einem Positionspapier werden 18 Punkte für mehr Effizienz und Produktivität im Agrarbereich genannt. Nach Angaben von Sonnleitner kann der Agrarbereich eine positive Klimabilanz vorweisen. Die Emissionen in der Land- und Forstwirtschaft seien seit 1990 um 22 Prozent gesenkt worden.

Auf der Gewinnerseite steht die Biobranche. Sie erwartet für das laufende Jahr wie 2007 ein Wachstum von über 15 Prozent. Nach einem Umsatz von 4,6 Milliarden Euro 2006 sei 2007 die Marke von 5 Milliarden Euro übersprungen worden, sagte Bioland-Präsident Thomas Dosch. Auf der Grünen Woche präsentiert sich die Branche mit einer auf 3000 Quadratmeter verdoppelten Fläche.

Zur 73. Grünen Woche vom 18. bis 27. Januar kommen nach Angaben von Messe-Geschäftsführer Christian Göke rund 100 international und national bedeutende Agrarpolitiker. Mehr als 400 000 Besucher werden erwartet. Der Weltmarkt der Ernährungswirtschaft biete rund 100 000 Spezialitäten. In diesem Jahr beteiligen sich 1610 Aussteller aus 52 Ländern. Partnerland ist die Schweiz.

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