Verbraucher zahlen für mehr Klimaschutz

Berlin - Der Bundestag hat die ersten Gesetze aus dem Klimaprogramm beschlossen. Sie sollen dazu beitragen, dass der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 sinkt. Hier die wichtigsten Punkte:

Die Verbraucher zahlen künftig mehr für Ökostrom: Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden (kWh) im Jahr sind das 4,40 Euro im Monat im Vergleich zu 3 Euro 2007. 2015 sollen es 5 Euro monatlich sein. Dann soll die Förderung sinken, weil Ökoenergien wirtschaftlicher werden.

Mehr Geld für Wind

Windkraft soll auf diese Weise ausgebaut werden. Die Anfangsvergütung für Windenergie an Land wird in den fünf Jahren ab Inbetriebnahme auf 9,2 Cent je Kilowattstunde (kWh) angehoben. Beim Ersatz kleiner durch Großanlagen erhöht sich diese auf 9,7 Cent. Bei Windenergie auf See winken 13 Cent Förderung und als "Sprinterbonus" weitere 2 Cent, wenn Anlagen bis Ende 2015 in Betrieb gehen.

Solarförderung sinkt

Bei einer kleinen Photovoltaik-Anlage bis 30 kW Leistung ist eine Vergütung von 43 Cent pro kWh fällig. Bis 100 kW beträgt sie nur noch 40,9 Cent, bis 1000 kW knapp 39,60 und darüber 33 Cent. Die Subvention soll stark abgebaut werden: Je nach Größe zwischen acht und zehn Prozent 2010 und um neun Prozent ab 2011.

Bonus für Biomasse

Biomasse wird 2009 je nach Anlagenleistung zwischen 11,67 Cent pro kWh (bis 150 Kilowatt Leistung) und 7,79 Cent (bis 20 Megawatt) gefördert. Daneben sind mit jeweils weiteren 3 Cent ein Bonus beim Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen sowie ein Bonus bei gleichzeitiger Wärmeproduktion vorgesehen. Besondere Hilfen gibt es für Einsatz von Deponie-, Klär- und Grubengas. Mit wesentlich höheren Förderbeträgen sollen Erdwärme- und Wasserkraftwerke ihr Nischendasein überwinden.

Öko in jedem Haus

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz macht die Nutzung in Neubauten zur Pflicht: Wer baut und sein Haus nach dem 31. Dezember 2008 fertigstellt, muss einen Teil des Wärmebedarfs aus Biomasse, Solarthermie oder Umweltwärme gewinnen. Die Nachrüstung mit Ökoheizungen in Altbauten wird künftig mit 500 Millionen Euro im Jahr gefördert.

Kraft und Wärme

Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung: Der Anteil von Strom aus KWK-Anlagen soll von heute zwölf bis 2020 auf 25 Prozent verdoppelt werden. Die KWK-Technik nutzt bisher ungenutzte Wärme zum Heizen. Folglich wird jede Tonne Kohle oder jeder Kubikmeter Gas besser ausgenutzt - bis zu 90 Prozent (statt 36 Prozent) werden verwertet. Gefördert werden Modernisierung und Neubau sowie der Ausbau von Wärmenetzen zum Transport der Heizwärme. Der Brennstoffzelle, die chemische Energie von Brennstoffen direkt in elektrische Energie verwandelt, soll zum Durchbruch verholfen werden. Bis zu 750 Millionen Euro jährlich sollen dafür bereitstehen.

Häufiger ablesen

Eine freie Wahl von Energie-Ablesefirmen und ein mehrmaliger Ableseturnus im Jahr sollen zu Einsparungen bei Strom und Gas führen. "Intelligente Stromzähler" sollen die Nutzung unterschiedlicher Tages- und Nachttarife ermöglichen. So könnte eine Waschmaschine per elektrischen Impuls den Waschgang nachts mit preiswertem Strom starten.

Neue Kernkraftwerke?

Die Internationale Energie- Agentur dagegen sucht einen anderen Weg. Zwar will auch sie die Windkraft massiv ausweiten. Sie fordert aber auch den Bau von 1400 neuen Kernkraftwerken. Mit dem Einsatz von 45 Millionen Dollar sollen die CO2-Emissionen bis 2050 auf die Hälfte gesenkt werden.  mm/dpa/ap

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