Verbraucherschützer warnen: EU-Richtlinie erleichtert Heizölbetrug

- Nachdem die sechs Millionen deutschen Haushalte mit Ölheizung zuletzt immer wieder Preisaufschläge schlucken mussten, droht ihnen weiterer Ärger. Nach Ansicht von Verbraucherschützern erleichtert eine EU-Richtlinie ab 31. Oktober den Betrug bei der Anlieferung des flüssigen Heizstoffs: "Manipulationen können von den Eichbehörden künftig in vielen Fällen nicht mehr wie bisher verhindert, beanstandet und verfolgt werden", warnen der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Landesbetrieb Mess- und Eichwesen in Nordrhein-Westfalen (LBME) in einer Mitteilung.

Grund dafür ist den Angaben zufolge, dass die künftigen EU-Messgeräteregeln wesentlich allgemeiner formuliert sind, als die bisher in Deutschland geltenden "PTB-Anforderungen". In denen wurde über die letzten Jahrzehnte detailliert festgeschrieben, wie Tanklaster konstruiert sein müssen, damit das teure Öl nicht am Kunden vorbeifließt. So sind etwa Leitungsrohre aus Metall vorgeschrieben, die nur schwer abgeklemmt. Doch auch diese Vorschrift entfällt ab Herbst.

"Da werden Optionen möglich, die wir vor 20 Jahren ausgemerzt haben", sagte der stellvertretende LBME-Chef, Arnold Beumker, gegenüber unserer Zeitung. Zwar bleibt Betrug bei der Heizöllieferung selbstverständlich weiter verboten. Doch den Eichbeamten wird es nach Beumkers Worten schwerer gemacht, schwarze Schafe aufzuspüren. So könne ein Tanker mit Kunststoff-Leitungen künftig nicht mehr vorbeugend aus dem Verkehr gezogen werden, sondern nur noch, wenn der Lieferant bei krummen Machenschaften erwischt wird. Doch: "Ein solcher Aufgriff ist schwierig", sagt Beumker. Zumal die Länder in den Eichbehörden in der Vergangenheit kräftig Personal eingespart haben.

Der Eichexperte fürchtet nun ebenso wie die Verbraucherzentralen, dass dies Betrüger in der Ölhändler-Zunft zusätzlich anspornt. Denn schon heute gibt es Manipulationen, wie auch der Bayerische Brennstoff- und Mineralölhandelsverband einräumt. Durch Basteln an der Tankanlage können nach LBME-Angaben fünf bis zehn Prozent der Liefermenge unterschlagen werden. Einen Verbraucher kostet das bei den derzeitigen Liter-Preisen (siehe Tabelle) schnell eine vierstellige Summe. Schon jetzt soll sich der jährliche Schaden auf 400 Millionen Euro belaufen.

Um Betrügern heute und in Zukunft nicht auf den Leim zu gehen, mahnen Experten die Konsumenten zur Wachsamkeit. "Besser als jede Vorschrift ist es, bei der Öllieferung dabei zu sein", sagt Peter Rampp, Messgeräte-Experte am bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Mengenzähler am Anfang auf Null steht und der spätere Stand mit dem auf der Rechnung übereinstimmt. Zudem sollten sich Kunden das aktuelle Prüfsiegel der Eichämter zeigen lassen.

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