Verbraucherschützer warnt vor Verlust bei offenen Immobilienfonds

- Offene Immobilienfonds gelten als solide Geldanlage. Ihren guten Ruf als bombensicheres Investment könnten sie jedoch bald einbüßen, wie Verbraucherschützer und Fondsexperten befürchten. Die ungebremste Kauflust der Investoren hat die Märkte so heiß laufen lassen, dass - ähnlich wie beim Aktienboom - eine "Immobilienblase" herangewachsen sei, warnt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

<P>"Leute, passt auf, diese Bubble droht ebenfalls zu platzen", mahnt er zur Vorsicht. Der Büromarkt sei in der Krise, weitere Anlegerströme drückten die Gewinnaussichten. "Über kurz oder lang kann man mit Betongold keine Rendite mehr machen und womöglich sogar ins Minus rutschen", ist Finanzexperte Grieble überzeugt.</P><P>Zwar müssten Investoren nicht gleich 30 oder 50 Prozent Verluste befürchten wie nach dem Aktiencrash. "Aber auch ein Minus von zwei oder drei Prozent bei einer vermeintlich hoch sicheren Geldanlage schmerzt." </P><P>Noch nie verzeichnete bislang einer der Fonds in der Bundesrepublik Verluste. Die Jahresrendite lag im vergangenen Jahr bei vier bis fünf Prozent. Dass sich die Erfolgsgeschichte offener Immobilienfonds aber nicht endlos fortsetzen kann, wird unter anderem auch im Bundesverband deutscher Banken befürchtet. Das Risiko im "Betongold" steigt, je mehr Anleger in den Markt drücken. Denn die Fondsmanager sind gesetzlich gehalten, das frisch eingesammelte Geld relativ zügig in neue Gebäude zu investieren. Das muss selbst dann sein, wenn es vielerorts kaum oder gar keinen Bedarf mehr an Büro-Immobilien gibt, wie in Deutschland, Großbritannien oder Holland schon seit längerem der Fall.</P><P>Leerstände schlecht für den Gewinn</P><P>Doch der Druck auf Markt und Fondsmanager wächst und wächst. Die Krise am Büromarkt scheint noch keinen Anleger abzuschrecken. Allein 2002 floss die Rekordsumme von rund 15 Milliarden Euro in die Kassen deutscher offener Immobilienfonds - fast doppelt so viel wie 1999, dem bisherigen Rekordjahr. Und der Boom geht weiter, wie Deutschlands zweitgrößte Immobilienfondsgesellschaft und Union-Investment-Tochter, Difa, berichtet. In den ersten drei Monaten 2003 kamen etwa sieben Milliarden frisches Geld dazu. Gut 70 Prozent aller Fondsgelder werden so weltweit in den ohnehin schwächelnden Büromarkt investiert. Vor allem aus der Vermietung sollen Gewinne erwirtschaftet werden. Wie viel Rendite drin ist, hängt letztendlich auch immer vom örtlichen Mietniveau ab. Doch in vielen Teilen der Welt stagnieren die Preise oder sind bereits im Sinkflug. </P><P>Nur in osteuropäischen Ländern und Metropolen wie Moskau geht es noch aufwärts. Dorthin weichen Fondsmanager verstärkt aus, wie Experten vom "Immobilienbrief" in Frankfurt am Main wissen. Auch die Leerstände der Objekte werden zum Renditerisiko. Unzählige der neuen, teueren Büropaläste, an denen tausende Fondszeichner kleine Anteile halten, stehen schon seit zwei, drei Jahren leer. Oder sind nur teilweise vermietet wie in Frankfurt oder München, weil sich die Firmen die nach wie vor hohen Mieten nicht mehr leisten können.</P><P>Laufen alte Mietverträge aus und sollten die Preise in nächster Zeit deutlich nachgeben, wird sich das Problem der Immobilienblase verschärfen, ist Grieble sicher. Sein Rat an alle, die mit einem Neueinstieg in offene Immobilienfonds liebäugeln: Angesichts allgemein trüber Gewinnaussichten lieber zurückhalten. Wegen der teuren Ausgabeaufschläge von gut fünf Prozent ist ein Kauf zur kurzfristigen Geldanlage ohnehin nicht geeignet. </P><P>Als Alternative seien Bundesschatzbriefe oder Tagesgeldkonten derzeit besser geeignet, empfiehlt der Verbraucherschützer. <BR></P>

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