Verbrauchervertrauen: Tiefer Riss geht durch die Gesellschaft

- Nürnberg - Zuversicht bei Jungen und Besserverdienern vor allem im Westen, tiefer Pessimismus dagegen bei den Älteren und Ärmeren im Osten: Auf diesen Nenner lässt sich die Verbraucherstimmung in Deutschland wenige Wochen vor der Bundestagswahl am 18. September bringen. Während sich das Konsumklima dem neuesten GfK-Index zufolge insgesamt im August deutlich aufgehellt hat und der Indikator für September von 3,2 auf 3,4 Punkte steigt, zeigt die Studie des Nürnberger Marktforschers zugleich auch die Zerrissenheit des Landes nicht nur zwischen West und Ost, sondern auch zwischen Reich und Arm, zwischen Jung und Alt.

Erstmals hat die GfK für ihre monatliche Konsumklima-Studie die Stimmung in so genannten Lebenswelten einzeln untersucht: Junge Menschen in Studium und Ausbildung, Oberschicht, Mittelschicht, "einfache Lebenslage" sowie Ältere im Ruhestand. Und hier zeigen sich deutliche Unterschiede. So sind die Jungen recht optimistisch, was die Entwicklung der Konjunktur betrifft: Der Indikator ist in dieser Gruppe mit einem Wert von 0,4 Punkten positiv. In der "Oberschicht" (Charakterisierung: aktiv, erfolgreich, Führungseliten) erreicht er sogar 3,6 Punkte.

Konträr wird die Lage auf der anderen Seite der Gesellschaft beurteilt: Bei den Erwerbstätigen in "einfacher Lebenslage" - das Wort "Unterschicht" wird vermieden - sackt derselbe Wert auf minus 11,5 Punkte ab, bei den Rentnern sogar auf minus 28,5 Punkte. Ähnliche Tendenzen zeigen sich bei der Einkommenserwartung. Verunsichert vom immer weiter steigenden Ölpreis und von der drohenden Erhöhung der Mehrwertsteuer, erwarten die wirtschaftlich schlechter gestellten Verbraucher, dass sie sich mit ihrem ohnehin mageren Budget noch weniger kaufen können.

Erst recht pessimistisch äußern sich die Rentner. Der Indikatorwert für die Einkommenserwartung sank in dieser Gruppe auf den extrem niedrigen Wert von minus 45,2 Punkte - ein krasser Gegensatz zu den Jungen, wo plus 34,7 Punkte erreicht wurden. "Es zeigt sich, wie sehr benachteiligt sich gerade die Älteren nach Jahren der Diskussion um die Reform von Renten und sozialer Sicherheit fühlen", fasst die GfK zusammen.

Nach wie vor sei die Stimmung der Konsumenten in den neuen Bundesländern erheblich schlechter als im Westen.

Für eine Stabilisierung der Verbraucherstimmung ist es nach Ansicht von GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst daher entscheidend, wie es nach der Bundestagswahl weitergeht.

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