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Die Studie wurde zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin vorgestellt. Die Veranstaltung findet vom 15. bis zum 24.01.2016 statt. Foto: Rainer Jensen

Verbraucherschützer fordern nationales Tierschutz-Logo

Vor der Grünen Woche flammt die Debatte über mehr Tierschutz in deutschen Ställen wieder auf. Verbraucherschützer setzen auf die Macht des Supermarktkunden. Und ein neues Siegel.

Berlin (dpa) - Für mehr Tierschutz soll es nach dem Willen von Verbraucherschützern eine staatliche Kennzeichnung für Fleisch und Wurst im Supermarkt geben.

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger wären bereit, für verlässlich höhere Standards mehr zu bezahlen, wie eine Umfrage für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ergab. Knapp die Hälfte wisse aber nicht, woran man Fleisch aus besonders artgerechter Haltung erkennt. Das Bundesernährungsministerium solle daher ein verbindliches nationales Tierschutz-Logo auf den Weg bringen. Die vielen bisherigen Siegel seien zu unbekannt.

"Tierschutz darf kein leeres Versprechen sein", sagte vzbv-Chef Klaus Müller am Mittwoch in Berlin vor Beginn der weltgrößten Agrarmesse Grüne Woche. Naturschützer kritisierten unterdessen, die deutschen Bauern produzierten zu viel Fleisch und hielten die Tiere in immer größeren Ställen. Der Bauernverband wies die Vorwürfe zurück.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) legte sich nicht fest, ob es ein staatliches Tierschutz-Siegel geben könnte. Sein Ministerium prüfe, "wie wir dem Wunsch der Verbraucher nach klarer und einheitlicher Tierwohl-Kennzeichnung nachkommen können", sagte Schmidt der "Südwest-Presse" (Donnerstag). Es gehe ihm aber nicht um eine Konkurrenz zu bestehenden Siegeln, sondern um mehr Transparenz.

Die Schweine- und Geflügelmast in Deutschland soll nach Informationen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weiter ausgeweitet werden. Seit 2012 wurden mindestens 720 000 neue Stallplätze für Schweine beantragt, davon 420 000 Mastplätze, wie der BUND von den Behörden erfuhr. Bei Geflügel sind es 10,8 Millionen, davon 6,65 Millionen Mastplätze.

"Immer mehr mittlere und kleine Betriebe geben die Tierhaltung auf, während neue Megaställe bewilligt werden", kritisieren die Autoren. Die Folgen seien Nitratbelastung der Böden, prekäre Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen das Tierschutzrecht.

Bauernpräsident Joachim Rukwied lehnte Höchstgrenzen für Tierbestände ab. "Entscheidend ist nicht die Anzahl der Tiere im Stall, sondern die Haltungsbedingungen." Hier seien die Bauern in den vergangenen Jahrzehnten deutlich besser geworden.

Es werde nicht mehr Fleisch produziert, die Erzeugung sei stabil, widersprach der Verbandschef Kritikern. "Es freut mich, weil es auch Ausdruck einer ausgewogenen Ernährung ist, dass nach wie vor 83 Prozent unsere Mitbürger mehrmals pro Woche Fleisch und Wurst essen", verwies Rukwied auf einen Regierungsbericht.

Die Landwirte blicken nach einem schwachen Vorjahr pessimistisch in die nahe Zukunft. "Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2016 noch schlechter wird", sagte Rukwied. Gründe seien die schwache Weltkonjunktur, das Russland-Embargo und eine international hohe Milchproduktion. "Das heißt für unsere Bauernfamilien, dass sie mit einem weiteren Einkommensrückgang von 20 bis 30 Prozent rechnen müssen." Das Höfestreben beschleunige sich.

Auch die deutschen Lebensmittelhersteller stehen unter Druck, wie der Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie mitteilte. Sie erwirtschaftete 2015 nach Verbandschätzung mit 166,3 Milliarden Euro 3,4 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Zu den Gründen zählte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff, dass immer weniger Menschen zu Hause zu Mittag essen.

Unterdessen steigen nach jahrelanger Stagnation wieder deutlich mehr Bauern auf Bio-Landbau um, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft beobachtet hat. "Es ist eindeutig eine Trendwende", sagte der Vorstandsvorsitzende Jan Plagge. Zahlen würden im Februar vorgestellt. Die Grüne Woche beginnt an diesem Freitag mit 1660 Ausstellern aus 65 Ländern. An zehn Messetagen werden mehr als 400 000 Besucher erwartet.

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