Verbraucherzentralen: Wäsche waschen bis Altersvorsorge

- München - Als Ende der 50er-Jahre in Deutschland die ersten Verbraucherzentralen öffneten, war die Konsumentenwelt noch eine andere. Viele angehende Hausfrauen besuchten damals die staatlich finanzierten Beratungsstellen, um sich hauswirtschaftliche Nachhilfe geben zu lassen. Sie lernten die Wäsche sauberer zu waschen und den Boden auf Hochglanz zu schrubben.

Ein halbes Jahrhundert später stehen in den Einrichtungen ganz andere Themen auf der Tagesordnung: Der Handwerker pfuscht, die Telefonrechnung ist viel zu hoch, der Händler nimmt den defekten Fernseher nicht zurück. Rechtliche Fragen sind in den Verbraucherzentralen der Dauerbrenner, seit ihnen Anfang der 80er-Jahre erlaubt wurde, die Besucher auch juristisch zu beraten. Allein in den 16 bayerischen Geschäftsstellen drehten sich 2005 rund die Hälfte der 65 000 Beratungsgespräche um derlei Problemfälle, wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht.

Stark im Kommen ist - neben Fragen zu explodierenden Energiekosten oder nach diversen Fleischskandalen zur Ernährung - aber auch das Thema Altersvorsorge. Viele Menschen wüssten mittlerweile, dass sie privat Geld ansparen müssen, um später nicht mit leeren Händen dazustehen, sagt Erhard Kremer, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Bayern. Doch viele wüssten nicht, wie und wie viel sie anlegen müssen. "Der Verbraucher soll verstehen, wie eine Riester- oder Rürup-Rente oder ein Investmentfonds funktionieren", sagt Kremer. "Nur so rutscht er auf dem spiegelglatten Terrain des Finanzvertriebsmarktes nicht aus."

Grundsätzlich hat Kremer beobachtet, dass die rechtlichen Geflechte im täglichen Leben immer komplizierter werden. "Die Probleme werden immer größer und für weite Bevölkerungsschichten immer undurchschaubarer", sagt der Verbraucherschützer. Das lässt sich auch an dem stetig steigenden Beratungsbedarf erkennen, der nach seinen Angaben jährlich um drei bis vier Prozent anwächst. Um ihn zu stillen, stockte die Verbraucherzentrale Bayern in den letzten drei Jahren die Mitarbeiterzahl von 50 auf 70 auf. Doch: "Das ist noch nicht ausreichend", sagt Kremer. "Wir könnten ausbauen noch und nöcher."

Grenzen sind den Verbraucherschützern allerdings durch die klammen öffentlichen Kassen gesteckt, aus denen knapp 90 Prozent des Etats gedeckt werden. Das hat zur Folge, dass Anrufer weiterhin Probleme haben werden, zu einem Berater durchzukommen. Kremer räumt ein: "Die Erreichbarkeit ist nicht ideal." Er verweist Ratsuchende deswegen auch auf das Internetangebot www.verbraucherzentrale-bayern.de.

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