Magdalena Martullo-Blocher
+
Zur EU und zu den deutschen Autobauern hat Magdalena Martullo-Blocher, SVP-Politikerin in der Schweiz und Chefin von Ems-Chemie, eine klare Meinung.

Eidgenössische

Verbrenner-Verbot: Schweizer Milliardärin verspottet Kunden - „Deutsche Autobauer reiten sich ins Abseits“

  • Jonas Raab
    VonJonas Raab
    schließen

Magdalena Martullo-Blocher ist rechtskonservative Politikerin und Unternehmerin in einem. Von ihren Kunden, den deutschen Autobauern, hat sie keine sonderlich hohe Meinung.

Domat/Ems - Magdalena Martullo-Blocher vereint so manchen Widerspruch in sich. Als rechtskonservative und vor allem laute Politikerin bezeichnet sie den Klima-Plan der EU, ab 2035 keine Autos mit Verbrennermotoren zuzulassen, als „Riesenfehler“. Als milliardenschwere Unternehmerin und Großaktionärin des Kunststoffherstellers Ems-Chemie liefert sie VW und Co. wichtige Batteriebauteile für deren Elektroautos. Das hielt sie nicht davon ab, im Handelsblatt über die deutschen Autobauer vom Leder zu ziehen.

Politische Aufmerksamkeit bekommt die Parlamentsabgeordnete der rechtskonservativen Schweizer Partei SVP in erster Linie durch markige Sprüche, viel Corona-Maßnahmen-Kritik und eine EU-feindliche Haltung. Mit Erfolg: Erst im Mai hat die Schweiz die Verhandlungen mit der Europäischen Union über das im Raum stehende Rahmenabkommen beendet. Auch als Unternehmerin könnte es für Martullo-Blocher kaum besser laufen: Für die erste Jahreshälfte legte Ems-Chemie kürzlich einen Rekord-Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Euro vor.

Magdalena Martullo-Blocher: Sie macht Elektroautos sicher - und hasst Elektroautos

Martullo-Blochers Unternehmen profitiert ausgerechnet von der Mobilitätswende, die die ungeliebte EU aktuell stark forciert. Ems-Chemie fertigt Kunststoffe und Wärmeleitpasten, die dazu beitragen, dass Batterien in Elektroautos nicht überhitzen. So sind beispielsweise die Kupferkabel zwischen den einzelnen Batteriezellen im VW ID.4 mit Kunststoffteilen aus dem Hause Martullo-Blocher umwickelt. Und trotzdem sagt die Hausherrin: „Politisch war ich immer gegen die Elektromobilität.“

Die Elektromobilität sei in ihrer aktuellen Form noch nicht wettbewerbsfähig. Daher schade die EU der Industrie mit ihren strikten Vorgaben, ist Martullo-Blocher überzeugt. Nicht nur zu den Verbrenner-Plänen der EU vertritt die Unternehmerin eine klare Meinung: An ihre Kunden, die deutschen Autobauer, schickte sie im Handelsblatt wenig schmeichelhafte Grüße. Ihre Vorwürfe: zu viel politische Lethargie, zu wenig Fleiß.

Verbrenner-Verbot: Deutsche Autobauer „im Abseits“ und zu faul, meint Martullo-Blocher

Die deutsche Autoindustrie reite sich politisch „völlig ins Abseits“, indem sie sich nicht gegen die EU-Kommission wehre und sogar mit ihr zusammenarbeite, meint Martullo-Blocher. „Ich verstehe nicht, warum sich die deutsche Autoindustrie nicht stärker gegen so drastische Vorgaben wehrt“, sagt die Herstellerin von Batteriekomponenten und spottet über deutsche Arbeitsmoral. Werksferien kann sie nichts abgewinnen. „Vor allem in Deutschland geht man von Corona in den Urlaub.“ Der Anspruch in der deutschen Autoindustrie, die Produktion hochzufahren, sei nicht groß.

In ihrem eigenen Unternehmen gilt Magdalena Martullo-Blocher als knallharte Chefin, die schnell laut wird. Das Erfolgsgeheimnis von Ems-Chemie formuliert sie so: „Innovationen und Kundennutzen sind für uns entscheidend.“ Die Innovation wäre dann wohl die gescholtene Elektromobilität und der Nutzen des nicht weniger gescholtenen Kunden Volkswagen wären kühle ID.4-Batterien.

Auch interessant

Kommentare