Verdacht auf Insiderhandel mit EADS-Aktie

- Paris/Hamburg - Pariser Staatsanwälte ermitteln wegen des Verdachts auf Insiderdelikte und Irreführung der Märkte beim Airbus-Mutterkonzern EADS. Die Ermittlungen richten sich "gegen Unbekannt". Ins Visier dürften aber auch die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und die französische Lagardère geraten, die vor dem Absturz der Aktie im Juni wegen der Lieferverzögerungen beim neuen Riesen-Airbus A380 jeweils 7,5 Prozent EADS-Anteile mit hohem Gewinn verkauft hatten.

Entsprechende Informationen der Zeitung "l'Est Républicain" wurden aus französischen Justizkreisen bestätigt.

Beide EADS-Großaktionäre streben einen weiteren Verkauf von Anteilen an. Hinsichtlich des DaimlerChrysler-Anteils hatte sich die Bundesregierung eingeschaltet. Sie will dem Vernehmen nach, dass ein Bankenkonsortium den deutschen Einfluss beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sichert. Laut einem Bericht der "Börsen- Zeitung" sollen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die WestLB und die bundeseigene KfW den Kern der Investorengruppe bilden, die das weitere 7,5-Prozent-Paket von DaimlerChrysler mit einem Marktwert von rund 1,5 Milliarden Euro übernimmt. Ein Regierungssprecher hatte am Mittwoch von den "Grundzügen einer Einigung" gesprochen, die erreicht worden seien. Es bestünde aber noch weiterer Gesprächsbedarf.

Allerdings soll der Stuttgarter Autokonzern die vollen Stimmrechte behalten, obwohl sein Anteil dann auf 15 Prozent abschmilzt. Die Anteile der EADS-Gründer DaimlerChrysler, Lagardère und des französischen Staates sind in einem Aktionärspakt gebündelt. Er gibt den Gründern eine stabile Stimmenmehrheit am Konzern.

Das deutsch-französische Kräftegleichgewicht im EADS-Konzern ist bei der Bewältigung der Airbus-Krise von außerordentlicher Bedeutung. Bei den angestrebten Einsparungen und Effizienzverbesserungen durch das milliardenschwere Sanierungsprogramm Power8 soll die Hauptlast nicht einseitig die deutschen oder französischen Werke treffen. Das größte deutsche Airbus-Werk ist in Hamburg. Die Hansestadt ist weiter zu einer finanziellen Beteiligung an dem zum Verkauf stehenden DaimlerChrysler-Paket bereit. Hamburg habe dies signalisiert, sagte ein Sprecher der Wirtschaftsbehörde.

Die Airbus-Krise war durch die Lieferverzögerungen beim weltgrößten Passagierflugzeug A380 ausgelöst worden. Nach Brancheninformationen werden die Probleme an diesem Freitag auf einer EADS-Verwaltungsratssitzung in Toulouse erneut besprochen. Eine Entscheidung zum vieldiskutierten neuen Projekt des Langstreckenflugzeugs A350 und den notwendigen Investitionen von geschätzten 10 bis 12 Milliarden Dollar soll aber noch nicht anstehen; diese soll bis zum Monatsende fallen. Deutscher EADS-Verwaltungsratschef ist Manfred Bischoff, der nach Brancheninformationen im kommenden Jahr seinen Posten verlassen und an die Spitze des DaimlerChrysler-Aufsichtsrat wechseln soll.

EADS-Kleinaktionäre hatten geklagt, nachdem die EADS-Aktie wegen der A380-Verzögerungen Mitte Juni um mehr als 23 Prozent abgestürzt war. Auf dem Höhepunkt des Aktienkurses hatten Lagardère und DaimlerChrysler zuvor bereits Kasse gemacht. Auch der frühere EADS-Co-Chef Noël Forgeard und andere Manager hatten vor dem Sturz EADS-Aktien mit Millionengewinn verkauft. Forgeard trat wegen der Airbus-Krise zurück. Die Pariser Staatsanwaltschaft reagiert nun auf diese Klagen. Der Verband der Kleinaktionäre APPAC wirft der EADS-Führung vor, die Öffentlichkeit monatelang über Verzögerungen beim Bau des Super-Airbus A380 getäuscht zu haben. Der Konzern hätte nicht schon im März Prüfungen der A380-Fertigung eingeleitet, wenn er damals noch kein Problem gesehen hätte.

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