ver.di droht Telekom mit Streiks

- Bonn - Die Gewerkschaft ver.di hat den Telekom-Vorstand zu ernsthaften Verhandlungen über den geplanten Stellenabbau aufgefordert und mit Streiks gedroht. "Wenn die Telekom sich solchen Gesprächen widersetzt, werden wir die gewerkschaftlichen Möglichkeiten nutzen und sie an den Verhandlungstisch zwingen", sagte der stellvertretende ver.di-Vorstand Franz Treml am Dienstag in Bonn. Ein Sprecher der Telekom sagte auf dpa-Anfrage, dass das Unternehmen jederzeit zu Gesprächen bereit sei.

Über das Verhalten des Vorstands und des Aufsichtsrates zeigte sich Treml enttäuscht. Trotz bundesweiter Proteste hatte das Kontrollgremium am Montagabend die Pläne des Vorstands abgesegnet. Danach will sich die Telekom bis Ende 2008 ohne betriebsbedingte Kündigungen von 32 000 Mitarbeitern trennen, um sich für den härten Wettbewerb in der Branche fit zu machen.

Anteilseigner und Arbeitnehmer stellen im Aufsichtsrat je zehn Vertreter. Dabei sind der Bund und die staatseigene KfW mit insgesamt 37 Prozent die größten Aktionäre. Die Kapitalseite winkte die Stellenabbaupläne mit der doppelten Stimme des Aufsichtsratschefs durch. "Alle vorhandenen Arbeitnehmer haben geschlossen dagegen abgestimmt", sagte Treml.

Mehrere hundert Beschäftigte des Bonner Riesen protestierten am Dienstag in Hamburg erneut gegen den massiven Stellenabbau. Einen Tag zuvor waren nach Gewerkschaftsangaben rund 25 000 Telekom-Mitarbeiter auf die Straße gegangen. Das Unternehmen sprach dagegen von lediglich rund 8000 Demonstranten.

Die Belegschaft sei beunruhigt und es herrsche Angst, beschrieb der Gewerkschafter die Stimmung unter den Beschäftigten. Betroffen von den Kürzungen ist vor allem die Festnetzsparte T-Com, in der die Telekom rund 20 000 Menschen weniger benötigt. Der Bereich, in dem erhebliche Marktanteile an die Konkurrenz verloren gingen, steht besonders unter Wettbewerbsdruck.

Trennen will sich das Unternehmen auch von zahlreichen Beamten. Rund 6000 sollen dabei über Vorruhestand das Unternehmen verlassen. Eine entsprechende gesetzliche Regelung muss noch mit dem Bund vereinbart werden. Der Bonner Riese beschäftigt gegenwärtig konzernweit im Inland noch 170 000 Menschen. In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Unternehmen im Schnitt jedes Jahr von 10 000 Mitarbeitern getrennt.

Treml forderte erneut einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen über den Zeitraum 2008 hinaus. Er zitierte aus einem 10Punkte-Programm, in dem ver.di statt des Abbaus von Arbeitsplätzen eine neue Service- und Qualitätsoffensive sowie mehr Innovationen fordert. Die Personalpolitik lasse befürchten, dass die Geschäftsziele für 2006 nicht erreicht werden könnten und dass die Wachstumschancen, die das Unternehmen durchaus habe, gebremst würden.

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