Ver.di fordert Verhaltenskodex bei Lidl

Stuttgart/Neckarsulm - Der Discounter Lidl soll sich als Konsequenz aus der Bespitzelungsaffäre nach dem Willen der Gewerkschaft ver.di zum fairen Umgang mit seinen Mitarbeitern verpflichten.

Ein Verhaltenskodex solle künftig die Zusammenarbeit mit allen Beschäftigten von Lidl und Kaufland in Europa regeln, forderte der stellvertretende ver.di-Landesleiter Baden-Württemberg, Werner Wild, in Stuttgart. Einen entsprechenden Vorschlag hätten er und die Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Herta Däubler-Gmelin (SPD), per Brief an die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) geschickt.

Lidl wollte sich zunächst nicht zu dem Schreiben äußern. Dem Brief liegt ein Entwurf für einen Verhaltenskodex bei. Dabei geht es auch um Betriebsräte bei Lidl und Kaufland. Die Unternehmen der Schwarz- Gruppe sollen das Recht der Mitarbeiter auf Wahl einer betrieblichen und überbetrieblichen Interessenvertretung respektieren, fordert Wild. Außerdem dürften Maßnahmen, mit denen Diebstähle verhindert werden sollen, nicht zur "Beobachtung und Ausspähung" von Mitarbeitern führen.

"Mit Betriebsräten und solch einem Verhaltenskodex hätten sich diese Vorgänge nicht ereignen können und die Schaden für das Unternehmen, was das Image und die Umsatzverluste anbelangt, wären so nicht eingetreten", sagte Wild. Im März war bekanntgeworden, dass von Lidl engagierte Detektive in zahlreichen Filialen Mitarbeiter ausspioniert hatten. Das Unternehmen distanzierte sich von dem Vorgehen.

Derzeit untersuchen Datenschützer, ob Lidl wegen der Bespitzelungsaffäre ein Bußgeld bezahlen muss. Es werde voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern, bis eine Entscheidung darüber getroffen werde, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart. Lidl hatte den Datenschützern umfangreiches Material zu den Vorwürfen geschickt. Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz könnten mit bis zu 250 000 Euro bestraft werden.

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