Ver.di und Telekom nehmen Verhandlungen wieder auf

Streik: - Bonn - Nach fast fünfwöchigem Streik bei der Deutschen Telekom kehrt die Gewerkschaft ver.di heute wieder an den Verhandlungstisch zurück. Die Tarifkommission von ver.di hatte am Dienstag grünes Licht für die erneuten Gespräche mit dem Konzern über den geplanten Umbau gegeben. Zuvor hatte das Management sein Angebot deutlich verbessert.

Die Telekom will zum 1. Juli 50 000 Beschäftigte in Service-Gesellschaften ausgliedern. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten. Bei einem Scheitern der Verhandlungen will das Unternehmen unverändert die Ausgliederung ohne Zustimmung von ver.di umsetzen. Gegen den Umbau protestierten in den vergangenen Wochen täglich bis zu 16000 Mitarbeiter.

Der neue Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger hatte vor einer Woche mit einem verbesserten Angebot die Wiederannäherung der Tarifparteien ins Rollen gebracht. Danach sollen die von der geplanten Auslagerung in Service-Gesellschaften betroffenen Mitarbeiter unter anderem einen Erfolgsbonus erhalten. Außerdem würde die Telekom erhebliche Beträge in die Weiterbildung investieren. Zugleich zeigte sich Sattelberger über alle Punkte des geplanten Stellenumbaus verhandlungsbereit, nicht aber über das Auslagerungskonzept.

Konzernchef René Obermann will an den geplanten Einsparungen festhalten. Diese seien unvermeidlich, um den Konzern wettbewerbsfähig zu machen. Bis zum Ende der Dekade sollten 4,2 Milliarden bis 4,7 Milliarden Euro eingespart werden, bekräftigte Obermann am Dienstag in Düsseldorf. Durch den Stellenumbau will die Telekom die Kosten um bis zu 900 Millionen Euro senken.

Ver.di-Bundesvorstand Schröder betonte vor den erneuten Verhandlungen, es sei das Ziel der Gewerkschaft, für die Beschäftigen einen Schutz vor den Folgen der Auslagerung zu erreichen. ver.di will nach seinen Worten erreichen, dass die Einkommen gegebenenfalls unter Berücksichtigung künftiger Tarifrunden gesichert und negative Wirkungen beim Betriebsübergang minimiert werden. Die Telekom hatte zuletzt angeboten, die Grundgehälter in mehreren Stufen um 9 Prozent abzusenken und die Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden zu erhöhen. Im Gegenzug sollten neue Stellen geschaffen werden und ein Kündigungsschutz bis 2012 vereinbart werden.

Für die Dauer der Verhandlungen will ver.di die Arbeitskampfmaßnahmen deutlich reduzieren. Die Telekom müsste aber bereit sein, das angekündigte Informationsschreiben zum Betriebsübergang zurückzustellen. An diesem Mittwoch plant ver.di unverändert als Protestaktion eine Menschenkette über die Rheinbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden. Zu dieser Großdemonstration, die über die Theodor-Heuss-Brücke führen und vor dem Mainzer Rathaus enden soll, werden rund 3500 Telekom-Beschäftigte erwartet.

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