Verdi warnt: München verliert jeden dritten Telekom-Arbeitsplatz

- München - Die Deutsche Telekom will in den nächsten Jahren die Arbeitsplätze von 32 000 Beschäftigten abbauen. Doch damit - kündigte der ehemalige Staatskonzern an - ist womöglich nicht Schluss. Ab 2008 drohen neue Hiobsbotschaften für die Mitarbeiter. Schon jetzt warnt die Gewerkschaft Verdi: Der Personalabbau der Telekom trifft Oberbayern hart.

Telekom-Personalchef Heinz Klinkhammer hat den Mitarbeitern klar gemacht, dass ihnen harte Zeiten bevorstehen. Nachdem ein Kompromiss zwischen dem Unternehmen und Verdi über die Modalitäten des Abbaus - etwa die Höhe von Abfindungen - in der vergangenen Woche gescheitert war, stellte er klar: Die Stellenstreichung soll "dennoch unverzüglich auf den Weg gebracht werden". Die Telekom setze auf Lösungen auf "freiwilliger Basis", für die nicht die Zustimmung der Gewerkschaft nötig sei. Betriebsbedingte Kündigungen soll es ohnehin nicht geben - zumindest vorerst.

Denn einer der Streitpunkte zwischen Gewerkschaft und Unternehmen war die Frage, ob Kündigungen auch nach 2008 ausgeschlossen seien. Das will die Telekom nicht zusagen. Stattdessen deutet Klinkhammer weitere Maßnahmen an: Die Trennung von 32 000 Beschäftigten sei "nicht das Ende der Fahnenstange". Er hoffe, "dass sich das Tempo verlangsamt, aber die Richtung bleibt bis auf weiteres unverändert", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Die Stellenzahl könnte also weiter sinken. Seit der Privatisierung vor knapp zehn Jahren mussten schon 100 000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet man in Oberbayern schwere Auswirkungen des Abbaus. Im Freistaat könnten etwa 3500 Arbeitsplätze verloren gehen, glaubt die Gewerkschaft. In München werden nach Verdi-Schätzung 1000 Arbeitsplätze wegfallen. Das entspricht etwa einem Drittel der hier Beschäftigten. Bei der Telekom will man diese Zahlen nicht bestätigen. Man könne nicht vorhersagen, wie viele Mitarbeiter eines Standorts ihren Job freiwillig aufgeben, erklärte ein Sprecher. Deshalb sei eine regionale Aufschlüsselung "müßig".

Weiteres Ungemach fürchtet Verdi durch die Pläne der Telekom, die Zahl ihrer Call-Center zu verringern, in denen privaten und gewerblichen Kunden telefonischer Service geboten werden soll. Das Unternehmen will von den bisher 96 Call-Centern 45 schließen. In Oberbayern betrifft das die Standorte Garmisch-Partenkirchen (laut Verdi 15 Beschäftigte), Weilheim (60), Rosenheim (60), Freising (42) und Ingolstadt (82).

Zwar soll diese Maßnahme "personalneutral" erfolgen. Zum Ausgleich sollen die verbleibenden Call-Center - etwa München und Augsburg - ausgebaut werden. Doch das dürfte vielen Beschäftigten nichts nützen, befürchtet Verdi. So handele es sich zu einem großen Teil um Teilzeit-Beschäftigte. "Die werden nicht 80 Kilometer weit zu einem anderen Standort fahren, wenn sie nur drei oder vier Stunden pro Tag arbeiten", erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft. Und damit würden sie ihre Stellen de facto verlieren. Der Telekom-Sprecher räumt ein, dass etwa ein Drittel der Call-Center-Mitarbeiter Teilzeit-Kräfte seien. Aber man habe der Gewerkschaft angeboten, über "Härtefälle zu reden".

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