Harte Fronten

Verdi will im Einzelhandel Streiks massiv ausweiten

Berlin - Harte Fronten bei den Tarifverhandlungen im Einzelhandel: Die Arbeitgeber hatten zwar in der abgelaufenen Woche erstmals ein Angebot vorgelegt - und zwar in Baden-Württemberg. „Das tarifpolitische Umfeld sieht anders aus“, kontert Verdi.

Im Tarifkonflikt des Einzelhandels verhärten sich die Fronten - trotz eines ersten Arbeitgeberangebots. Die Gewerkschaft Verdi will im Kampf um mehr Geld ihren Druck auf die Arbeitgeber in den kommenden Wochen deutlich erhöhen. „80 000 Mitarbeiter haben bereits protestiert“, sagte eine Verdi-Sprecherin der Tageszeitung „Die Welt“ (Montag). „Und wir werden die Streiks nochmal massiv ausweiten.“

Der Arbeitgeber-Vorschlag im Tarifbezirk Baden-Württemberg sieht eine zweistufige Lohnerhöhung vor - bei einer Laufzeit von Juli 2013 bis März 2015. Demnach sollen die Tarife zum 1. Juli um 2,5 Prozent und am 1. April 2014 um weitere 1,5 Prozent erhöht werden. Voraussetzung sei aber, dass die Gewerkschaft Reformen in den Tarifverträgen akzeptiere. „Das tarifpolitische Umfeld sieht anders aus“, kommentierte die Verdi-Sprecherin.

Verdi fordert in manchen Tarifbezirken eine Erhöhung von 6,5 Prozent mit kürzerer Laufzeit, in anderen einen Euro mehr pro Stunde. Änderungen im Manteltarif und die Einführung neuer Lohngruppen lehnt die Gewerkschaft ab. „Die Branche braucht moderne Tarifverträge. Und das aktuelle Regelwerk hat mit der Realität im Handel nichts mehr zu tun“, sagte der NRW-Verhandlungsführer der Arbeitgeber, der Kaufhof-Arbeitsdirektor Ulrich Köster der „Welt“.

Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel werden regional geführt. Häufig werden die Abschlüsse in den großen Bezirken Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gefunden. Anfang Juni hatten auch die Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen ein Angebot angekündigt. Es soll bei der dritten NRW-Verhandlungsrunde am 3. Juli vorgelegt werden.

In Deutschland sind etwa drei Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt, mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet allerdings in Unternehmen, die nicht tarifgebunden und deshalb höchstens indirekt von den Verhandlungen betroffen sind. Die Arbeitgeber fürchten, dass dieser Trend anhält. „Ohne modernen Tarifvertrag laufen uns die Arbeitgeber weg“, sagte Köster.

# dpa-Notizblock

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Machtübernahme von Hastor bei Grammer
Seit fünf Monaten machten Vorstand und Belegschaft des Autozulieferers Grammer Front gegen den unbeliebten Großaktionär Hastor. Jetzt fällte die Hauptversammlung eine …
Keine Machtübernahme von Hastor bei Grammer
Dax fehlt vorm Feiertag weiter der Schwung
Frankfurt/Main (dpa) - Trotz guter Konjunkturdaten aus Deutschland hat der Dax am Mittwoch etwas schwächer geschlossen. Mit einem kleinen Abschlag von 0,13 Prozent auf …
Dax fehlt vorm Feiertag weiter der Schwung
Komitee empfiehlt Opec-Förderlimit bis Frühjahr 2018
Es war ein historischer Schulterschluss: Die Opec hatte mit anderen wichtigen Förderländern eine Öl-Drosselung beschlossen. Die Vereinbarung soll nun wohl um neun Monate …
Komitee empfiehlt Opec-Förderlimit bis Frühjahr 2018
Linde und Praxair wollen "Zusammenschluss unter Gleichen"
Zu einem Weltkonzern will Linde-Aufsichtsratschef Reitzle sein Unternehmen machen und dafür mit dem Konkurrenten Praxair zusammengehen. Das ruft Gewerkschafter und …
Linde und Praxair wollen "Zusammenschluss unter Gleichen"

Kommentare