+
Das Kohlekraftwerk Mehrum neben Windrädern in Hohenhameln im Landkreis Peine. Foto: Julian Stratenschulte

Gutachen zur Kostenfrage

Verdi will Milliardenprogramm für deutschen Kohle-Ausstieg

Deutschland diskutiert über ein Ende der Kohleverstromung, damit der Klimaschutz besser vorankommt. Die Mitarbeiter in den Kraftwerken sind verunsichert. Die Gewerkschaft Verdi fordert einen milliardenschweren Sozialplan zu ihrer Absicherung.

Düsseldorf (dpa) - Die Gewerkschaft Verdi verlangt ein Milliardenprogramm zur sozialen Abfederung des Kohle-Ausstiegs in Deutschland. Ein solches Programm könnte über die deutschen Einnahmen aus dem europäischen CO2-Zertifikatehandel ohne Probleme finanziert werden, sagte Gewerkschaftschef Frank Bsirske am Donnerstag in Düsseldorf.

Verdi hat die geschätzten Kosten in einem Gutachten des energiewissenschaftlichen Unternehmens Enervis berechnen lassen. Für die etwa 15 000 Beschäftigten in deutschen Kohlekraftwerken lägen sie im Durchschnitt über die Gesamtzeit betrachtet nicht über 250 Millionen Euro jährlich, sagte Bsirske.

Die Einnahmen aus dem Zertifikatehandel betrügen aktuell zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro im Jahr. Deutschland soll bis 2050, nach anderen Vorschlägen aber auch schon bis 2040 oder 2035 aus der Kohleverstromung aussteigen. Bisher fließt das Geld aus dem CO2-Handel in den "Energie- und Klimafonds", ein Sondervermögen zur Förderung des europäischen Klimaschutzes.

Nicht erfasst von dem Vorschlag sind die ebenfalls rund 15 000 Beschäftigten im deutschen Braunkohletagebau. Sie werden überwiegend von der Gewerkschaft IG BCE vertreten. Ihre Gehälter lägen vergleichbar hoch wie bei den Kraftwerkern, sagte Bsirske - der Vorschlag sei insofern auch auf sie übertragbar. Dann würden sich die Kosten nach Einschätzung von Fachleuten in etwa verdoppeln.

Der Vorschlag erfordere aber natürlich den nötigen politischen Willen zur Umsetzung, sagte Bsirske. Verdi werde bei der Bundesregierung und in den Ländern für eine Umsetzung werben.

Bei vielen Mitarbeitern sei die Unruhe wegen der Ausstiegsdiskussion groß. Die Beschäftigten dürften mit den Folgen der Energiewende nicht allein gelassen werden, sagte das zuständige Verdi-Bundesvorstandsmitglied Andreas Scheidt.

Mitteilung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Post mit Millionen erfundenen Briefen betrogen
Bonn/Frankfurt (dpa) - Die Deutsche Post ist mit Millionen erfundenen Briefen betrogen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittele in dem Fall, sagte ein Postsprecher.
Post mit Millionen erfundenen Briefen betrogen
Noch 30 "technische Risiken" in BER-Fluggastterminal
Berlin (dpa) - In dem noch nicht fertiggestellten Fluggastterminal des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld bestehen derzeit etwa 30 "technische Risiken" von …
Noch 30 "technische Risiken" in BER-Fluggastterminal
Post bei Brief-Rabattzahlungen um bis zu 100 Millionen Euro betrogen
Die deutsche Post ist offenbar um eine hohe Millionensumme betrogen worden. Es geht um Rabattzahlungen bei gebündelten Briefen. Drei Beschuldigte sitzen bereits hinter …
Post bei Brief-Rabattzahlungen um bis zu 100 Millionen Euro betrogen
Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal
Nach elf Jahren Bauzeit werden die Mängel am Hauptstadtflughafen BER nach und nach beseitigt. Aktuell sollen im Fluggastterminal noch 30 „technische Risiken“ bestehen.
Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Kommentare