Die vergessenen Opfer der BenQ-Pleite

- München -­ 160 Mitarbeiter des Münchner Handyherstellers BenQ Mobile haben ihren Arbeitsplatz vor einigen Monaten aufgegeben und damit manchem Kollegen den Job gerettet. Dafür sollten sie eine Abfindung erhalten. Dann kam die Pleite der ehemaligen Siemens-Sparte. Jetzt stehen die 160 Ex-Mitarbeiter als die großen Verlierer da: Sie haben kaum Chancen auf ihre Abfindung, erhalten kein Arbeitslosengeld und bei der Auffanglösung für die 3000 Betroffenen der Pleite wurden sie übergangen.

Klaus Steiner (Name geändert) entschied sich im Sommer, BenQ zu verlassen. Dafür, dass er seinen Arbeitsplatz aufgab, versprach ihm das Unternehmen 50 000 Euro Abfindung. Mit dem Geld wollte er eine zweijährige Weiterbildung finanzieren. Nebenbei rettete er einem Kollegen die Stelle. "Dadurch, dass ich gegangen bin, konnte ein anderer in unserer Abteilung bleiben", sagt Steiner. Im Januar sollte das Geld überwiesen werden. Doch wenige Wochen nach seinem Abschied von BenQ meldete das Unternehmen Insolvenz an. Damit ist die Abfindung so gut wie weg. Und auch sonst gibt es bisher keine Unterstützung. "Man fühlt sich vergessen und im Stich gelassen", sagt Steiner. So wie ihm geht es nach Gewerkschaftsangaben rund 160 ehemaligen BenQ-Mitarbeitern.

"Die Ansprüche reihen sich in die der anderen Gläubiger ein", erklärt eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Martin Prager. Die Folge: Geld gibt es erst nach Jahren ­ wenn überhaupt. "Das wird nicht viel werden", vermutet die Sprecherin. Einige der Betroffenen wollten sich mit ihrer Abfindung selbstständig machen, berichtet Steiner. Diese Pläne gehen jetzt nicht mehr auf. Und auch Arbeitslosengeld gibt es nicht. Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt ­- und so seinen Arbeitsplatz bewusst aufgibt -­, wird für zwölf Wochen für Leistungen der Arbeitsagentur gesperrt. Zwar verweist eine Sprecherin der Münchner Agentur darauf, dass Ausnahmen möglich seien. Doch Steiner sagt, er habe noch von keinem solchen Fall gehört. Sattdessen müssten Betroffene die Sozialversicherungsbeiträge voll aus eigener Tasche tragen.

Siemens und die IG Metall haben sich jüngst auf eine Auffanglösung für die BenQ-Beschäftigten geeinigt. Sie können in von Siemens finanzierte Beschäftigungsgesellschaften wechseln und erhalten bis zu ein Jahr lang 80 Prozent ihres bisherigen Lohns sowie teilweise zusätzliche Abfindungen. Doch Steiner und seine Kollegen sind dabei nicht berücksichtigt. Denn sie sind keine BenQ-Mitarbeiter mehr.

"Darüber soll noch mal geredet werden", kündigt ein IG-Metall-Sprecher an. Allerdings sei Siemens bislang nicht zu weiteren Zahlungen bereit. Das sei auch nicht nötig, findet Steiner. Er nennt die Auffanglösung großzügig. "Wenn man uns in diese Lösung mit reinnehmen würde, müsste Siemens keinen Euro mehr zahlen. Man müsste das Geld nur anders verteilen. Dann wäre eben die Prämie für jeden Einzelnen etwas geringer."

Kommt es nicht dazu, können die 160 Abfindungs-Opfer nur noch auf den "Notfall-Fonds" für BenQ-Härtefälle hoffen. Doch wer dabei zum Zug kommen wird, ist unklar.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts ist dem Dax am Freitag die Kraft ausgegangen.
Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin könnte zu großen Teilen an die Lufthansa gehen. Unterlegene Bieter halten das für eine „Katastrophe“ auch für Passagiere. Sie könnten klagen.
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
Nach der Vorentscheidung im Bieterwettstreit geht es darum, wer wie viele Flugzeuge genau bekommen soll. Ein Zwischenstand wird für Montag erwartet. Nicht nur die …
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion
Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Bei einer Demonstration in Bochum …
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion

Kommentare