Die vergessenen Verkehrsregeln

München - Dass zu schnelles Fahren bestraft wird, ist wohl jedem Autofahrer klar. Doch viele andere Regeln sind weit weniger bekannt. Die vergessenen Vorschriften im Straßenverkehr.

Es gibt Verkehrs-Vorschriften, an die kaum jemand denkt, die aber doch von Bedeutung sind - was durch die entsprechenden Bußgelder schnell spürbar werden kann.

Vorsicht bei Gelb

Im Stadtverkehr sieht es an den Ampeln meist so aus: Wer Gelb sieht, versucht noch schnell vor dem Wechsel auf Rot durchzuhuschen. Was allerdings nicht erlaubt ist: "Man darf bei Gelb nicht einfach noch mal Gas geben - richtig ist es anzuhalten", sagt ADAC-Verkehrsjurist Markus Schäpe. Eine Ausnahme gibt es laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) nur, wenn zum rechtzeitigen Anhalten vor der Rotphase eine Notbremsung nötig wäre, die andere Verkehrsteilnehmer gefährden würde. Gibt der Fahrer aber Gas, wenn er noch anhalten könnte, sind laut Markus Schäpe 10 Euro Verwarnungsgeld fällig.

Reißverschluss

Fällt auf einer mehrspurigen Straße eine Fahrbahn weg - etwa am Autobahnende oder vor einer Baustelle -, sollte man nicht schon hunderte Meter vor dem Hindernis auf die weiterführende Spur wechseln. Denn dadurch entstehen unnötig Staus. Stattdessen sollte kurz vor dem Hindernis das Einfädeln im Reißverschlussprinzip erfolgen.

Stopp vor dem Pfeil

Unsicherheiten bestehen auch beim Grünen Pfeil, der bei Rotlicht an der Ampel das Abbiegen erlaubt: Wer abbiegen will, darf nämlich nicht einfach losfahren. "Hier sollten Autofahrer sich im Prinzip so verhalten wie an einem Stoppschild", erklärt DVR-Sprecher Sven Rademacher.

Es ist zwingend vorgeschrieben, an der Haltelinie anzuhalten und zu schauen, ob das Abbiegen gefahrlos und ohne Behinderung anderer möglich ist. Wird nicht angehalten, kann das nach DVR-Angaben 50 Euro kosten. Wird der Verkehr gefährdet, sind es 60 Euro.

Blinken muss sein

Das Blinken wird nach Angaben des Auto Club Europa (ACE) immer häufiger vernachlässigt. Gleichzeitig werden solche Verstöße von der Polizei nur selten verfolgt. Was aber nichts daran ändert, dass die Blinkverweigerung ernste Folgen haben kann: Beim Linksabbiegen nicht zu blinken, führt bei einem dadurch verursachten Unfall laut ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner dazu, dass der Fahrer die Haftung für die Unfallfolgen übernehmen muss. Auch beim Spurwechsel ohne Blinker auf einer mehrspurigen Fahrbahn und einem so verursachten Unfall kann es dazu führen, dass der Fahrer die Alleinhaftung übernehmen muss. Falsch verhalten sich auch viele Autofahrer im Kreisverkehr: Hier muss man nicht beim Einfahren blinken, sondern beim Ausfahren.

Defekter Automat Wenn ein defekter Parkautomat keine Tickets ausgeben mag, darf das Auto dort nicht einfach so abgestellt werden. "Es darf nur bis zu der am Automaten angegebenen Höchstdauer geparkt werden, und zwar auch nur dann, wenn die tatsächliche Ankunftszeit mit Hilfe der Parkscheibe angegeben wird", sagt Markus Schäpe. Sonst wird das Auto rechtlich wie eines behandelt, dessen Fahrer am funktionierenden Automaten nicht gezahlt hat. Je nach Parkzeit werden dann 5 bis 25 Euro fällig.

Handy: Motor aus

Telefonieren ohne Freisprechanlage im fahrenden Auto ist verboten - das dürfte mittlerweile bekannt sein. Doch selbst im stehenden Wagen ist Telefonieren nicht immer erlaubt: "Das Verbot gilt auch bei laufendem Motor", so Sven Rademacher. Die Höhe der Strafe ist identisch. Nur wenn der Wagen steht und auch der Motor nicht läuft, darf das Handy benutzt werden. Hintergrund der Regel ist laut Markus Schäpe, dass im täglichen Stopp-and-go-Verkehr die Gefahr durch Unaufmerksamkeit zu groß wäre - im Dauerstau mit abgestelltem Motor dagegen wollte der Gesetzgeber das Telefonieren erlauben.

Vermeidbarer Lärm

Planloses Herumfahren in der Stadt mag mancher Autofahrer als entspannend empfinden - tatsächlich erlaubt ist aber auch das nicht. Es erzeugt vermeidbaren Lärm und vermeidbare Abgase. Fühlen sich Menschen durch ein Auto belästigt, das zum Beispiel ständig eine Straße hoch und runter fährt, kann das den Fahrer 20 Euro kosten.

Der vermeidbare Abgasausstoß kommt auch dann zum Tragen, wenn im Winter am Morgen der Motor angelassen und dann in aller Ruhe die Scheiben vom Eis befreit werden - vermeidbarer Lärm und überflüssiger Abgasausstoß können den Fahrer 10 Euro kosten.

Warnblinker: Gefahr

Der Warnblinker ist ausschließlich ein Warnsignal, dessen missbräuchlicher Einsatz beim Halten am Straßenrand ohne bestehende Gefahr ab 5 Euro kostet. Ebenfalls ein Warnsignal ist die Lichthupe - allerdings sollte sie nicht zum Warnen des Gegenverkehrs vor einer Radarkontrolle genutzt werden. Das kostet nämlich 10 Euro.

Bushaltestelle

Falsches Verhalten an Haltestellen kann teuer werden. Gerade an Bushaltestellen gibt es viele Unsicherheiten im Hinblick auf das richtige Fahren. Laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat besteht für die übrigen Verkehrsteilnehmer ein Überholverbot, wenn sich ein Bus mit eingeschaltetem Warnblinker der Haltestelle nähert.

Steht der Bus dort bereits mit eingeschaltetem Warnblinker, darf er aus Sicherheitsgründen in beiden Richtungen nur in Schrittgeschwindigkeit passiert werden. Wird das Überholverbot bei der Annäherung missachtet, kann das laut DVR 40 Euro kosten. Nichteinhaltung der Schrittgeschwindigkeit wird mit 15 Euro geahndet. Kommt es dabei zur Verkehrsgefährdung, sind es 50 Euro.

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