Gedächtnislücken sorgen für Unmut

Vergesslicher Zeuge im BayernLB-Prozess

München - Als Chef der BayernLB genoss Werner Schmidt  Privilegien. Für ihn wurde sogar eine Alarmanlage ausgeschaltet. An viel mehr konnte sich ein Zeuge im BayernLB-Prozess aber nicht erinnern.

Ein Zeuge mit Erinnerungslücken hat am Dienstag im BayernLB-Prozess vor dem Landgericht München für Missmut bei Richtern und Staatsanwaltschaft gesorgt. Von dem Mitarbeiter der BayernLB hatten sie sich eigentlich Informationen über den Anklagevorwurf der Bestechung des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider erhofft. Der 47-jährige Zeuge konnte sich allerdings an große Teile entscheidender Sitzungen der Bank im Jahr 2007 nicht mehr erinnern.

Verwundert äußerten sich Richter und Staatsanwalt aber darüber, dass dem Landesbank-Mitarbeiter die Ereignisse am Rande der Sitzungen durchaus im Gedächtnis geblieben waren: Unter anderem erzählte er eine Anekdote von einem Aschenbecher: Weil der damalige BayernLB-Chef Werner Schmidt bei einer Sitzung rauchen wollte und nach einem Aschenbecher fragte, habe er Sorgen gehabt, dass die Rauchmelder anschlugen. „Deshalb wurde die Alarmanlage außer Funktion gesetzt.“ Auch an das Mittagessen bei der Sitzung und die Platzierung der Teller konnte er sich erinnern.

Angeklagten hatten alle Vorwürfe bestritten

In dem Prozess müssen sich Schmidt und fünf weitere ehemalige Vorstände der BayernLB wegen Untreue verantworten, weil sie die österreichische Bank Hypo Alpe Adria im Jahr 2007 überteuert gekauft und alle Alarmglocken überhört haben sollen. Vier von ihnen sind zudem der Bestechung angeklagt, weil sie Haider 2,5 Millionen Euro für das Klagenfurter Fußballstadion gezahlt haben sollen, damit er dem Verkauf der HGAA zustimmt.

Da die Zuwendung für die auf Geschäftskunden ausgerichtete BayernLB aber nicht glaubwürdig erschienen wäre, sollen die Angeklagten die Landesbank-Tochter DKB aufgefordert haben, das Sponsoring zu übernehmen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wollten sie auf diese Weise vermeiden, dass der Hintergrund der Vereinbarung mit Haider aufgedeckt wird. Die Anklage wertet dies als Bestechung. Der Zeuge war innerhalb der BayernLB für die DKB zuständig und galt deshalb als interessant für das Verfahren.

Die Angeklagten hatten alle Vorwürfe bestritten und erklärt, sie hätten sich große Chancen von der Übernahme versprochen. Ein rasches Ende in dem Prozess ist nicht in Sicht. Bereits jetzt stehen nach Angaben des Vorsitzenden Richters Joachim Eckert Termine für Zeugenvernehmungen bis Juli fest.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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