Verheugen spricht sich für Lohnzuwachs aus

- Brüssel - Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Günter Verheugen, hat vor dem Hintergrund der laufenden Tarifauseinandersetzungen vor einem Lohnkostenwettbewerb nach unten gewarnt. Verheugen sagte der "Welt": "Die deutschen Gewerkschaften haben in den vergangenen Jahren in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation Verantwortung für das Gesamtwohl gezeigt. Aber wenn die Wirtschaft wieder wächst, haben die Arbeitnehmer auch ein Recht darauf, daran teilzuhaben: Es sollte dann reale Zuwächse geben. Wir können nicht mit den asiatischen oder osteuropäischen Volkswirtschaften in einen Lohnkostenwettbewerb nach unten treten. Das ist absurd."

Zugleich warnte der EU-Industriekommissar davor, die Bedeutung der Löhne für die Kosten von Unternehmen überzubewerten: "Der wirtschaftliche Erfolg einer Volkswirtschaft hängt nur zu einem sehr geringen Teil vom Lohn ab und viel stärker von der Innovationsfähigkeit. Zudem ist der Anteil der Löhne an den Gesamtkosten in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen deutlich zurückgegangen, und er wird weiter sinken."

Nach Ansicht von Verheugen sollte Deutschland die Zugangsbeschränkungen für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Beitrittsländern aufheben. "Ich glaube, dass Deutschland davon profitieren würde, wenn man die Zugangsbarrieren für Arbeitnehmer aus Ost- und Mitteleuropa weitgehend aufheben würde." Die Zuwanderung von osteuropäischen Arbeitnehmern führe nicht zu mehr Arbeitslosigkeit in den alten EU-Staaten.

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