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Verizon unterstreicht mit dem Zukauf von AOL seine Ambitionen im mobilen Video- und Werbegeschäft. Foto: Justin Lane/Symbolbild

Online-Dino AOL wird von Telekom-Konzern Verizon gekauft

Einst galt AOL als der König der Internet-Welt und konnte sogar den Medienriesen Time Warner übernehmen. Doch die Internet-Blase ist längst geplatzt und AOL wird selbst gekauft - für nur noch 4,4 Milliarden Dollar. Kommt bei dem Deal noch Axel Springer ins Spiel?

New York (dpa) - Ein Kapitel Internet-Geschichte geht zu Ende: Der US-Mobilfunkriese Verizon schluckt den Online-Pionier AOL. Der Kaufpreis liegt bei rund 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Mrd Euro), wie die Unternehmen mitteilten.

Mit 50 Dollar pro Aktie in bar zahlt Verizon einen Aufschlag von 23 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate.

Zu AOL gehören auch die Online-Zeitung "Huffington Post" sowie bekannte Blogs wie "TechCrunch" oder "Engadget". Die Website "Recode" berichtete von einem möglichen Szenario, bei dem dieses Mediengeschäft ganz oder in Teilen abgestoßen werden könne - "mit einem dritten Partner, möglicherweise mit dem deutschen Verlagshaus Axel Springer".

AOL hatte zu seiner Blütezeit als Internet-Provider über 30 Millionen Abonnenten weltweit. Im Jahr 2000 fusionierte AOL im dem Medienkonzern Time Warner. Faktisch übernahm AOL das Traditionsunternehmen - getragen vom Höhenflug des eigenen Aktienpreises - für mehr als 160 Milliarden Dollar. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase wurde der Zusammenschluss zu AOL Time Warner als zukunftsweisende Verbindung alter und neuer Medien gefeiert.

Doch der Deal brachte nie den erhofften Effekt und wurde später als gigantischer Fehler bezeichnet. AOL wurde 2009 wieder als einzelnes Unternehmen abgespalten und versuchte seitdem, mit wechselndem Erfolg, Geld mit Online-Werbung zu verdienen. Zugleich sind immer noch rund zwei Millionen Amerikaner als Kunden im Zugangsgeschäft registriert.

In Deutschland profitierte eine Zeit lang der Medienkonzern Bertelsmann erheblich von einer Zusammenarbeit mit AOL. Der damalige Bertelsmann-Vorstand Thomas Middelhoff bewegte den Konzern dazu, früh in AOL zu investieren. Mit dem äußerst lukrativen Deal im Rücken stieg Middelhoff zum Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG auf.

1995 ging AOL Europe mit der Bertelsmann AG das Joint Venture AOL Deutschland ein, das drei Jahre später bereits wieder beendet wurde. Im Jahr 2000 machte Bertelsmann ein spektakuläres Geschäft mit dem Verkauf der Anteil an AOL Europe für mehr als sechs Milliarden Dollar.

Der US-Mobilfunkriese Verizon unterstreicht jetzt mit dem Zukauf seine Ambitionen im mobilen Video- und Werbegeschäft, für das AOL eine Plattform bietet. Die Übernahme soll im Sommer nach Zustimmung der Regulierer abgeschlossen werden. Die AOL-Aktie schoss zum Start des US-Handels um rund 18 Prozent in die Höhe. Die Papiere von Verizon verloren hingegen gut ein Prozent.

Im ersten Quartal legte der AOL-Umsatz im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 625 Millionen Dollar zu. Der Nettogewinn sank hingegen um ein Viertel auf nur sieben Millionen Dollar. Die Erlöse im Werbegeschäft legten dabei um zwölf Prozent zu. Der bisherige AOL-Chef Tim Armstrong soll das Geschäft der Firma auch nach der Übernahme weiterführen. Er war 2009 von Google in den AOL-Chefsessel gewechselt.

Mitteilung von Verizon und AOL

Bericht von "Recode"

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